Leider ist heute schon der 2. August und unser langes Wochenende beziehungsweise unser Kurzurlaub in Frankfurt geht zu Ende.
Für heute hatten wir ursprünglich noch ein schönes Abschlussprogramm geplant. Zuerst wollten wir japanisch frühstücken und anschließend gegen 12 Uhr zum Fischerstechen am Main. Das soll hier eine richtig schöne Veranstaltung sein und wäre eigentlich ein schöner Abschluss für unseren Kurzurlaub gewesen.
Als wir gestern Abend allerdings auf dem Rückweg zum Hotel waren, bemerkten wir, dass heute auch noch der Frankfurt-Triathlon stattfindet. Das erklärte vermutlich die vielen Menschen, die Absperrungen und das allgemeine Gewusel in der Stadt. Da sowohl unser gebuchtes Frühstück als auch das Fischerstechen mitten in Frankfurt lagen, beschlossen wir, unseren Plan lieber zu ändern.
Gegen neun Uhr traten wir deshalb die Heimreise an und wollten uns zu Hause noch irgendwo ein schönes Frühstück gönnen. Man muss schließlich flexibel bleiben – besonders dann, wenn halb Frankfurt gleichzeitig schwimmt, Fahrrad fährt oder durch die Straßen rennt.
Wir hatten wirklich einen tollen Kurzurlaub. Das Wetter war hervorragend, unser Programm hat gut geklappt und wir haben gemeinsam sehr viel erlebt und gelacht.
Und das Wichtigste: Trotz täglich mehr als 20.000 Schritten, großer Hitze und mehreren notwendigen Duschen können wir uns immer noch riechen.
Ganz abgeschlossen ist Frankfurt für uns allerdings noch nicht. Das Senckenberg Museum möchten wir in der Weihnachtszeit nachholen, am besten verbunden mit einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt.
Heute sollten die Museen im Mittelpunkt stehen. Zumindest war das der Plan. Und weil wir tatsächlich alle gut geschlafen hatten, starteten wir zunächst erstaunlich ausgeruht in den Tag. Um 8:20 Uhr trafen wir uns, denn im Hotel wollten wir heute nicht frühstücken. Stattdessen sollte es mit Bus und Bahn in die Frankfurter Innenstadt gehen. Ganz so frisch, wie wir uns nach der Nacht zunächst fühlten, waren wir allerdings doch nicht. Schon ziemlich früh meldeten sich unsere Beine und Füße und erinnerten uns sehr deutlich daran, wie viele Kilometer wir am Vortag zurückgelegt hatten. Offenbar hatte sich der gestrige Tag nicht einfach über Nacht aus unseren Körpern verabschiedet. Unser erstes Ziel war die Kleinmarkthalle. Dort sollte es ein Café geben, in dem man gemütlich sitzen, frühstücken und gleichzeitig das bunte Treiben in der Halle beobachten konnte. Das klang sehr schön – theoretisch jedenfalls. Wir schlenderten durch die Markthalle, bestaunten die vielen Stände und fanden tatsächlich auch das besagte Café. Allerdings standen wir dort vor verschlossenen Türen: Betriebsferien. Ausgerechnet jetzt. Also verließen wir die Halle wieder und machten uns im Regen auf die Suche nach einer Alternative. Der Morgen war überraschend frisch, und so waren wir froh, als wir schließlich ein anderes Café fanden. Dort konnten wir uns endlich hinsetzen und ganz in Ruhe frühstücken. Manchmal findet man eben genau das Café, das man sucht – und darf dann trotzdem nicht hinein. Anschließend ging es weiter ins Struwwelpeter-Museum. Wir waren überrascht, wie interessant dieses Museum war und wie viel es dort zu entdecken gab. Gleich zu Beginn erzählte uns ein Mitarbeiter einiges über den Autor Heinrich Hoffmann, sein Anliegen und darüber, wie der Struwwelpeter überhaupt entstanden ist. Natürlich überlegten wir auch, ob wir unseren Enkeln ein Bilderbuch mitbringen sollten. Doch so, wie wir unsere Kinder kennen, würden sie den klassischen Struwwelpeter vermutlich nicht unbedingt als pädagogisch wertvolle Gute-Nacht-Lektüre betrachten. Dabei gibt es inzwischen wirklich die unterschiedlichsten Fassungen und Parodien – sogar politische Versionen, beispielsweise mit Adolf Hitler. Der Struwwelpeter hat offenbar deutlich mehr erlebt, als wir bisher geahnt hatten.
Reiner kannte die Geschichten nicht ganz so gut und nahm sich deshalb besonders viel Zeit zum Lesen. Vielleicht war das aber auch eine durchaus geschickte Tarnung für eine kleine Erholungspause. Der gestrige Tag steckte uns nämlich allen noch ziemlich in den Knochen. Reiner und Thomas fanden jedenfalls einen schnuckeligen Sitzplatz und wirkten dort ausgesprochen zufrieden. Im Museumsshop fanden wir dann doch noch ein Buch für unsere Enkel: „Der Nasenboris und weitere kuriose Kurzgeschichten“. Es ist so etwas wie ein moderner Verwandter des Struwwelpeters. In lustigen Reimen geht es um heutige kleine und große Untugenden – vom Nasebohren bis zur ständigen Handynutzung. Deutlich zeitgemäßer als das Original, ein bisschen frech und vermutlich genau deshalb für uns unwiderstehlich.
Nach dem Shoppen ging es weiter Richtung Main. Wir wollten nach Sachsenhausen und mussten dafür zunächst den Eisernen Steg überqueren.Schon von der Brücke aus sahen wir, dass am Main ordentlich etwas los war: Es war schließlich Mainfest. Zwischen Buden, Fahrgeschäften und dem typischen Duft eines Volksfestes entdeckten wir ein ganz besonderes Karussell mit dem passenden Namen „Schoppendreher“. Dort konnte man ganz gemütlich und sehr langsam im Kreis fahren und dabei Ebbelwoi trinken. Ein Karussell, bei dem nicht die Geschwindigkeit, sondern das Getränk im Mittelpunkt steht – viel mehr Frankfurt geht eigentlich kaum. Also tranken wir gegen zwölf Uhr unseren ersten Ebbelwoi des Tages. Man muss schließlich auch die regionalen Traditionen unterstützen. Und falls uns vom Drehen ein wenig schwindelig wurde, ließ sich im Nachhinein sowieso nicht mehr eindeutig feststellen, ob das am Karussell oder am Ebbelwoi lag. Danach ging es weiter nach Sachsenhausen. Dort stöberten wir durch zwei Plattenläden, bevor wir in einem typischen Apfelweinlokal Mittagspause machten. Wir probierten Handkäse und außerdem ein Gericht namens Schneegestöber – eine Art angemachter Camembert. Man kann schließlich nicht nur kulturell, sondern muss gelegentlich auch kulinarisch mutig sein. Natürlich gab es zum Mittagessen wieder einen Ebbelwoi. Der schmeckte zwar gut, trug aber nicht gerade dazu bei, unsere ohnehin vorhandene Müdigkeit zu vertreiben. Im Gegenteil: Nach dem Essen und dem zweiten Apfelwein des Tages hätte vermutlich jeder von uns problemlos ein kleines Nickerchen direkt am Tisch machen können. Besonders Reiner war nun sehr müde. Ehrlicherweise waren wir aber alle nicht mehr ganz taufrisch. Schon um die Mittagszeit zeigte der Schrittzähler erneut rund 10.000 Schritte an. Und da der gestrige Tag ebenfalls noch deutlich in unseren Beinen steckte, beschlossen wir kurzerhand, zurück ins Hotel zu fahren und eine längere Pause einzulegen. Das erwies sich allerdings als komplizierter als gedacht. Mehrere U-Bahnen fielen aus – teilweise wegen Bauarbeiten, teilweise, weil sich Menschen auf den Gleisen befanden, und vermutlich gab es noch einige weitere Gründe, die wir irgendwann nicht mehr vollständig nachvollziehen konnten. Nachdem wir eine ganze Weile gewartet hatten, gaben wir auf und bestellten uns einen Uber. Die Fahrt zurück war ausgesprochen unterhaltsam. Unser Fahrer schaute zwischendurch auf YouTube Nachrichten – während der Fahrt. Das war zwar informativ, aber nicht unbedingt das Unterhaltungsprogramm, das wir uns für eine Taxifahrt ausgesucht hätten. Doch wir kamen wohlbehalten im Hotel an. Und damit war klar: Jetzt brauchten wir erst einmal Ruhe. Schließlich war der Tag noch nicht vorbei – und weitere Museen warteten bereits auf uns.
Doch zu weiteren Museen kam es an diesem Tag nicht mehr. Unsere Pause fiel offenbar etwas gründlicher aus als geplant, denn erst gegen 17 Uhr waren wir wieder startklar. Statt noch ein straffes Kulturprogramm durchzuziehen, fuhren wir einfach zurück in die Innenstadt und bummelten durch das viel zu volle Frankfurt. Es war unglaublich, wie viele Menschen an einem Samstag in der Stadt unterwegs waren. Gefühlt hatte sich ganz Frankfurt gleichzeitig dazu entschlossen, durch dieselben Straßen zu laufen wie wir. Gemütliches Schlendern war also nur bedingt möglich – eher ein gemeinsames Vorwärtsschieben in großer Gesellschaft. Für 19 Uhr hatten wir einen Tisch im Longobardi’s reserviert, einem kleinen italienischen Restaurant am Main. Und das Essen war wieder einmal richtig lecker. Überhaupt hatten wir während der ganzen Tage mit unserem Schlemmerblock ausgesprochen gutes Glück: Egal, wo wir einkehrten, wir haben immer hervorragend gegessen. Unser Frankfurt-Urlaub entwickelte sich damit nebenbei auch zu einer kleinen kulinarischen Rundreise. Nach dem Essen liefen wir direkt am Main entlang zurück zum Mainfest. Was für ein Trubel! Überall blinkten bunte Lichter, die Fahrgeschäfte drehten ihre Runden, Musik kam aus allen Richtungen und in der Luft lag dieser typische Rummelduft nach gebrannten Mandeln, Popcorn und allerlei anderen Dingen, denen man eigentlich kaum widerstehen kann. Mitten in diesem Gewimmel fanden wir tatsächlich noch einen freien Tisch. Dort tranken wir ein Weizenradler und probierten ein Mispelchen, einen typischen Frankfurter Absacker: ein kleines Glas Calvados beziehungsweise Apfelbrand mit einer eingelegten Mispelfrucht. Klein, fruchtig, etwas stärker als erwartet – aber sehr lecker. Wir saßen mitten im Trubel, beobachteten die Menschen und genossen die besondere Atmosphäre am Main. Um uns herum blinkte, duftete und lärmte es, und trotzdem war es ein schöner Abschluss für diesen Tag. Manchmal braucht es eben gar kein weiteres Museum. Ein Tisch mitten auf dem Mainfest, gute Gesellschaft und ein Mispelchen können schließlich ebenfalls sehr lehrreich sein. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Am Ende standen wieder gut 20.000 Schritte auf unseren Anzeigen. Unsere Beine und Füße ließen keinen Zweifel daran, dass sie jeden einzelnen davon mitgezählt hatten. Wir hatten viel gesehen, hervorragend gegessen, Frankfurter Spezialitäten probiert und wieder einmal deutlich mehr Kilometer zurückgelegt als ursprünglich geplant. Nun wollten wir eigentlich nur noch ins Bett – und hofften, dass unsere Füße uns bis zum nächsten Morgen verzeihen würden.
Thomas und ich waren bereits gegen halb sechs wach. Nicht etwa, weil wir im Urlaub besonders unternehmungslustig sind – das ist einfach unsere ganz normale Aufstehzeit von zu Hause. Unsere innere Uhr kennt offenbar auch im Urlaub keine freien Tage.
In der Hotelbeschreibung war ein „außergewöhnliches Frühstück“ angekündigt worden. Und außergewöhnlich war es tatsächlich: Irgendwann zwischen halb sieben und sieben hing plötzlich eine Tüte an unserer Zimmertür. Darin befanden sich zwei Schokocroissants, zwei Laugenbrezeln mit ganz viel Käse und zwei Laugenstangen.
Während Sabine und Rainer noch etwas in ihren Betten schlummerten, saßen Thomas und ich bereits gegen sieben Uhr ganz gemütlich mit unserem Kaffee und dem Frühstücksgebäck auf der Bank vor dem Hotel. Die Schokocroissants waren übrigens richtig lecker. So konnte der Tag beginnen.
Lange dauerte es allerdings nicht, bis auch Sabine und Reiner auftauchten. Danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg – allerdings noch nicht direkt zur Stadterkundung. Schließlich hatten wir im Restaurant Francis im Holiday Inn noch ein richtiges Frühstück gebucht. Und was gebucht ist, wird gegessen. Wir sind da sehr zuverlässig.
Das Frühstück war wirklich toll. Die Brötchen waren lecker, der Kaffee war klasse und es gab sogar eine Eierstation, an der nahezu jeder Eierwunsch erfüllt wurde: Rührei, Spiegelei, Spiegelei ohne Dotter, pochierte Eier und noch einiges mehr.
Sabine nutzte außerdem gleich die Gelegenheit, bereits zum Frühstück eine Frankfurter Spezialität zu probieren: Handkäse. Damit ist sie eindeutig mutiger als ich. Für mich geht Handkäse nämlich überhaupt nicht – weder zum Frühstück noch zum Abendessen. Eigentlich zu keiner Tageszeit. Geht gar nicht.
Mit entsprechend gut gefüllten Bäuchen machten wir uns anschließend auf den Weg zum Main. Dort wartete unser nächster Programmpunkt: eine einstündige Panoramafahrt. Ganz bequem ließen wir uns die Frankfurter Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus zeigen und bekamen nebenbei auch noch alles erklärt. So erfuhren wir tatsächlich das eine oder andere Neue. Urlaub und Bildung in einem – wir waren heute ausgesprochen vorbildlich unterwegs.
Da es draußen ziemlich heiß war, bestellten wir uns auf dem Schiff noch einen alkoholfreies Radler. Nicht etwa aus Vergnügen, sondern selbstverständlich ausschließlich wegen der Elektrolyte. Wir achten schließlich gewissenhaft auf unsere Gesundheit.
Nach der Schifffahrt liefen wir weiter in die Frankfurter Altstadt zum Roten Haus, einem alten Frankfurter Lokal, in dem es Bratwürste und typische Frankfurter Spezialitäten gibt. Wir entschieden uns für Kartoffeln mit Frankfurter Grüner Soße. Schließlich muss man die örtlichen Spezialitäten wenigstens einmal probiert haben.
Mein persönliches Lieblingsgericht wird die Grüne Soße vermutlich nicht mehr. Aber wir haben tapfer aufgegessen. Das gehört sich so, wenn man im Urlaub kulinarische Forschungsarbeit betreibt.
Danach ging es noch ein kleines Stück durch Frankfurt, bevor wir mit der Bahn zurück zum Hotel fuhren. Von halb vier bis kurz vor fünf lagen wir auf unseren Betten und gönnten unseren Füßen eine wohlverdiente Pause. Mehr als 10.000 Schritte hatten wir bereits geschafft – und der Tag war noch lange nicht vorbei.
Gegen 17 Uhr waren wir nach unserer Pause wieder einigermaßen fit und bereit für die nächste Runde. Nun stand die Stadtführung „Bahnhofsviertel FFM – Rotlicht, Lifestyle & Vielfalt“ auf dem Programm. Eigentlich wollten wir ganz bequem mit Bus und Bahn zum Treffpunkt fahren. Allerdings verpassten wir zuerst den Bus vom Hotel zum Bahnhof und mussten deshalb schon einmal das erste Stück laufen. Anschließend hatte auch noch der Zug Verspätung. Zum Glück haben wir mit Thomas einen echten Fachmann für Fahrpläne und öffentliche Verkehrsmittel dabei. Er führte uns sicher durch das Frankfurter Verkehrschaos, und trotz aller Hindernisse standen wir pünktlich um 18 Uhr am Treffpunkt. Knapp, aber pünktlich – und nur das zählt. Die Führung begann zunächst etwas schleppend, wurde dann aber immer interessanter. Wir waren eine Gruppe von ungefähr 30 Personen und liefen gemeinsam durch das Bahnhofs- und Rotlichtviertel. Vom früheren Rotlichtmilieu ist offenbar gar nicht mehr so viel übrig. Peep-Shows werden heute kaum noch gebraucht – das Internet hat schließlich auch vor dieser Branche nicht haltgemacht. Umso erschreckender war die offene Drogenszene. Wir kamen an Hilfseinrichtungen und Straßen vorbei, auf denen suchtkranke Menschen saßen. Das zu sehen, war beklemmend und machte uns traurig. Gleichzeitig stellte niemand eine Gefahr für uns dar: Wir wurden weder angesprochen noch belästigt. Trotzdem blieb ein ungutes Gefühl zurück. Die Führung war interessant und zeigte uns eine Seite Frankfurts, die man bei einer normalen Besichtigung vermutlich nicht kennenlernen würde. Dabei war es immer noch unglaublich heiß. Wir schwitzten wirklich schlimm und waren zwischenzeitlich mehr oder weniger durchgehend nass. Immerhin konnten wir uns noch selbst riechen – ein gutes Zeichen dafür, dass noch nicht alles verloren war. Danach wollten wir erst einmal etwas essen. Natürlich hatten wir auch das Lokal bereits im Voraus gebucht. Mittlerweile halten wir uns für ziemlich erfahren im Frankfurter Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Verkehr. Deshalb war es selbstverständlich auch überhaupt kein Problem, dass wir zunächst zum falschen Restaurant fuhren. Es gibt nämlich zwei Lokale mit demselben Namen – eine Information, die uns erst vor Ort wirklich weiterhalf. Selbst unser Fahrplanexperte Thomas konnte schließlich nicht wissen, dass Frankfurt gleich zwei gleichnamige Restaurants für uns bereithält. Aber auch diese kleine Zusatzrunde meisterten wir, und gegen halb neun saßen wir tatsächlich pünktlich im richtigen Lokal. Das Abendessen war total lecker und gab uns noch einmal etwas Kraft für den letzten Programmpunkt des Tages. Obwohl wir inzwischen schon ziemlich müde waren, ging es um 22:30 Uhr zur zweiten Führung: „Der alptraumhafte Sandmann – Interaktives Horror-Theater trifft Stadtführung“.Als wir am Treffpunkt ankamen, gruselten wir uns tatsächlich schon ein wenig. Dort stand ein Mann mit einer unheimlichen Maske – und außer uns vieren war niemand da. Wir hatten zwar mit einer Gruselführung gerechnet, aber eine private Begegnung mit einem maskierten Sandmann war dann doch etwas anderes. Der Sandmann sprach vom Teufel, vom Tod, von seiner Oma und zwischendurch auch davon, wie er uns töten wollte. Das war schon ziemlich spooky. Gleichzeitig führte er uns zu vielen interessanten Stellen in Frankfurt und erzählte auf seine ganz eigene, schräge Art von der Stadt. Wegen des Mainfestes konnten wir leider nicht überall entlanggehen, doch das tat der Führung keinen Abbruch. Gegen halb zwölf war das Programm schließlich beendet und wir machten uns auf den Rückweg zum Hotel. Dort kamen vier ziemlich erschöpfte, völlig verschwitzte, aber um viele Eindrücke reichere Frankfurt-Entdecker an.
Am Ende des Tages standen mehr als 20.000 Schritte, insgesamt drei Duschen und die Erkenntnis, dass es gestern wirklich unglaublich heiß gewesen war. Wir hatten so viel geschwitzt, dass die dritte Dusche nicht mehr nach Luxus klang, sondern nach einer hygienischen Notwendigkeit. Jetzt sehnten wir uns nur noch nach unseren Betten. Selbst unsere innere Uhr dürfte verstanden haben, dass sie uns am nächsten Morgen besser ein paar Minuten länger schlafen lässt.
Die Taschen sind fast gepackt, das Programm steht, die Vorfreude steigt – und wahrscheinlich fällt uns spätestens morgen früh noch etwas ein, das unbedingt mit muss.
Vom 30. Juli bis zum 2. August 2026 machen wir eine Kurzreise nach Frankfurt.
„Frankfurt?“, könnte man jetzt fragen. „Das ist doch gar nicht weit weg. Da könnt ihr doch morgens hinfahren und abends wieder nach Hause.“
Ja, könnten wir.
Wir könnten allerdings auch jeden Morgen Taschen packen, überlegen, ob wir wirklich alles dabeihaben, nach Frankfurt fahren und abends müde wieder zurückkommen.
Oder wir machen es richtig.
Wir lassen zu Hause einfach alles liegen, was uns dort normalerweise beschäftigt, ziehen für ein paar Tage ins Towerhotel und tun so, als wären wir auf großer Weltreise. Schließlich kommt es nicht darauf an, wie viele Kilometer man fährt. Entscheidend ist, wie weit man sich innerlich vom Wäschekorb entfernt.
Mit dabei sind natürlich wieder unsere Freunde Sabine und Reiner.
Die beiden waren bereits öfter mit uns unterwegs und wissen genau, worauf sie sich einlassen. Und trotzdem begleiten sie uns erneut. Das spricht eindeutig für eine sehr gute Freundschaft – und dafür, dass sie unseren ganz eigenen Reisestil inzwischen bestens kennen.
Wir vier sind inzwischen ein eingespieltes Reiseteam. Jeder kennt die Eigenheiten der anderen, niemand erwartet dauerhafte Vernunft, und kleinere Planänderungen werden von uns nicht als Problem, sondern als Beginn einer neuen Geschichte betrachtet.
Für die wenigen Tage habe ich selbstverständlich ein Programm erstellt. Nicht einfach irgendein Programm, sondern Tagespläne im Comicstil. Denn ein normaler Reiseplan wäre für uns viel zu übersichtlich und vernünftig gewesen.
Die Bilder sehen bereits so lustig aus, dass wir eigentlich nur noch versuchen müssen, uns während der Reise ungefähr daran zu halten. Erfahrungsgemäß ist das allerdings eher eine freundliche Empfehlung als ein verbindlicher Ablauf.
Unser Plan ist jedenfalls klar:
Frankfurt entdecken, gut essen, viel lachen, vielleicht ein bisschen Kultur mitnehmen und für ein paar Tage so tun, als gäbe es zu Hause weder Termine noch Pflichten noch Dinge, die dringend erledigt werden müssten.
Wir wollen keine Expedition bestehen, keine Rekorde brechen und auch nicht jeden berühmten Stein in Frankfurt fotografieren.
Wir wollen einfach gemeinsam Spaß haben.
Und da wir uns alle vier gut kennen, ist eines schon vor der Abfahrt sicher:
Die besten Geschichten werden vermutlich wieder dort entstehen, wo der sorgfältig ausgearbeitete Plan endet.
Um 5:15 Uhr klingelte bei Thomas und mir der Wecker — gebraucht hätten wir ihn allerdings nicht. Die Vorfreude war sowieso viel zu groß und wirklich geschlafen haben wir beide eher so mittelmäßig.
Reiner brachte uns zum Bahnhof und pünktlich um 8:03 Uhr fuhr unser Zug in Frankenthal los. Bis dahin hatten wir von Lisa, Maik und Henry allerdings noch nichts gehört. Wahrscheinlich herrschte dort gerade kontrolliertes Familienchaos zwischen Koffern, Kinderwagen, Pampers und Frühstück.
Wir dagegen saßen erstmal ganz entspannt im Zug und konnten kaum glauben: Jetzt geht die Reise wirklich los.
In Frankfurt wurde unser eigentlich recht entspanntes Abteil plötzlich ziemlich voll. Viele Leute stiegen ein und erstmal wurde alles Mögliche verstaut — Koffer, Taschen, Rucksäcke. Manche fanden es dabei offenbar wichtiger, ihr Gepäck unterzubringen, statt andere erstmal durchzulassen.
Dann sagte ein Mitreisender plötzlich etwas mit „9 mm“. Thomas und ich schauten uns sofort an. Auch andere im Abteil hatten das gehört. Für einen kurzen Moment wurde mir ehrlich gesagt mulmig und ich war unsicher, ob ich das wirklich richtig verstanden hatte.
Thomas beruhigte mich aber erstmal und kurze Zeit später war der Zwischenfall fast schon wieder vergessen. Etwa 30 Minuten später stoppte der Zug plötzlich mitten auf der Strecke. Niemand wusste warum. Kurz darauf kam Polizei durch den Zug und suchte genau den Mann, der die Aussage gemacht hatte. Er wurde kontrolliert und durchsucht, die Personalien wurden aufgenommen. Zum Glück wurde nichts gefunden. Wie sich herausstellte, hatten Mitreisende aus unserem Abteil die Polizei verständigt — und das war absolut richtig so. Sicherheit geht einfach vor.
Blöd war nur, dass Lisa, Maik und Henry bereits eine Stunde vor geplanter Abfahrt in Kassel am Bahnhof standen und unser Zug dann auch noch mit rund 40 Minuten Verspätung dort ankam. Mit Kleinkind ist das natürlich nicht ideal. Aber am Ende waren wir einfach froh, dass alles gut ausgegangen ist.
Um 10:50 Uhr war es dann endlich so weit: Lisa, Maik und Henry stiegen in Kassel zu.
Thomas half beim Einsteigen, was bei mehreren Koffern, Kinderwagen, Taschen und einem aufgeregten kleinen Henry definitiv sinnvoll war.
Henry fand die Zugfahrt übrigens so spannend, dass an Schlaf überhaupt nicht zu denken war. Viel zu viele Menschen, Geräusche und neue Eindrücke. Statt Mittagsschlaf wurde lieber alles aufmerksam beobachtet.
Zum Glück hatte Oma vorgesorgt und Sticker für Henry besorgt. Damit wurde dann erstmal ausgiebig gespielt — beziehungsweise geklebt, wieder abgezogen und neu verteilt.
Und ehrlich gesagt: Bei so einem Start in den Urlaub kann man Schlaf auch erstmal verschieben.
Besonders beliebt: Sticker mitten auf der Stirn.
Henry fand das offensichtlich völlig normal. Wir fanden es ziemlich lustig.
Die Anreise zum Schiff verlief dann zum Glück ziemlich problemlos.
Am Bahnhof konnten wir unsere Koffer direkt abgeben und mussten uns danach um nichts mehr kümmern. Die Koffer wurden von der Crew der Mein Schiff 2 direkt aufs Schiff und später sogar bis vor unsere Kabine gebracht.
Das bedeutete für uns: endlich ohne Gepäck entspannt Richtung Check-in laufen.
Und dann kam Henrys erster großer Vorteil als kleinster Mitreisender unserer Gruppe: Dank ihm durften Familien mit Kindern bevorzugt einchecken und wir konnten an der langen Warteschlange vorbeigehen.
Henry selbst nahm diesen VIP-Status übrigens sehr gelassen hin.
Wir Erwachsenen fanden das deutlich aufregender.
Danach ging es erstmal direkt aufs Schiff — und natürlich sofort etwas essen. Schließlich macht Kreuzfahrt hungrig. Selbst dann, wenn man gefühlt gerade erst losgefahren ist.
Das Auslaufen aus Hamburg war für uns Erwachsene wirklich etwas Besonderes. Langsam ging es an der Speicherstadt vorbei, wir konnten die Elbphilharmonie sehen und überall standen Menschen und winkten den Schiffen zu.
Das absolute Highlight war aber, dass die Mein Schiff Relax direkt hinter unserer Mein Schiff 2 auslief. Zwei große Kreuzfahrtschiffe kurz hintereinander aus dem Hamburger Hafen fahren zu sehen, hatte schon etwas ziemlich Spektakuläres.
Nur für Henry war das Auslaufen eher weniger entspannend.
Das laute Tuten der Schiffshörner war ihm eindeutig zu viel. Für einen kurzen Moment war Henry fast genauso laut wie das Horn der Mein Schiff.Zum Glück beruhigte er sich nach dem lauten Horn auch schnell wieder und bestaunte weiter die vielen Lichter, das Wasser und die vorbeiziehende Stadt.
Dabei hatte er den ganzen Tag überhaupt nicht geschlafen. Sein letztes Nickerchen hatte er morgens auf dem Weg zum Bahnhof gemacht. Danach war bis abends um 20:30 Uhr durchgehend Action angesagt — und trotzdem war er die ganze Zeit gut gelaunt und musste einfach alles ganz genau beobachten.
Wir freuen uns ganz besonders, dass Lisa, Maik und natürlich unser kleiner Henry uns auf dieser Reise begleiten. Zehn Tage Familienzeit, Meer und hoffentlich viele besondere Erinnerungen.
Während Thomas und ich beim Packen noch ziemlich entspannt sind, sieht es bei Lisa und Maik eher nach „kleiner Familienumzug mit Bahnanschluss“ aus.
Denn für diese Reise muss wirklich alles mit: dicke Jacken, dünne Jacken, Pullover, T-Shirts, Regenkleidung, Sonnenbrille — bei Schottland und England weiß man morgens nie, ob man eher einen Schal oder Sonnencreme braucht. Wahrscheinlich vorsichtshalber einfach beides.
Dazu kommen Kinderwagen, Pampers, Wechselkleidung, Snacks und natürlich eine kleine Notration Gläschen für Henry.
Und all das muss irgendwie zusammen mit einem Einjährigen in den Zug.
Wir starten in Frankenthal, Lisa, Maik und Henry steigen später in Kassel zu. Nachdem wir dann schon zweieinhalb Stunden unterwegs sind, haben wir vorsichtig gefragt, ob sie uns vielleicht einen Kaffee mitbringen könnten.
Lisa hat schlichtweg gesagt: „Nein.“
Und Maik auch.
Damit war das Thema Kaffee dann wohl geklärt.
Jetzt müssen wir nur noch alles irgendwie in die Koffer bekommen — und dann kann das Familienabenteuer endlich losgehen.
21.11. bis 05.12.2025 – unsere „Best of Mittelamerika“-Reise mit der Mein Schiff 1
Es gibt Reisen, die man einfach bucht. Und es gibt Reisen, die ein kleines Kapitel im Herzen öffnen. Diese hier ist eindeutig die zweite Sorte.
Vor vier Jahren wollten wir sie das erste Mal antreten. Die Koffer standen bereit, die Route war ein Traum – und dann kam der Moment, der alles stoppt: Thomas’ Bruder ist verstorben. Der Verlust hängt bis heute nach, unabhängig davon, was der Kalender sagt. Die Reise wurde abgesagt, das Leben ging weiter – nur eben anders.
Jetzt holen wir das nach. Mit Respekt vor dem, was war, und Freude auf das, was kommt.
Unsere Route – so bunt wie die Karibik selbst
21.11.: La Romana – Einschiffen
22.11.: Seetag – Ankommen, Abschalten
23.11.: Ocho Rios – vielleicht, je nachdem, was Melissa übriggelassen hat
24.11.: Montego Bay – ebenfalls vielleicht, Daumen hoch Richtung Himmel
27.11.: Costa Maya – kleine Häfen, große Atmosphäre
28.11.: Belize City – Natur pur
29.11.: Roatán – Palmen, Wasser, Ruhe
30.11.: Seetag – Zeit für Meerblicke
01.12.: Puerto Limón – Costa Rica, Regenwaldgeruch inklusive
02.12.: Colón – Panama! Unser großes Highlight!
03.12.: Cartagena – Kolumbiens Altstadtzauber
04.12.: Seetag – letzte Runde Entspannung
05.12.: Zurück in La Romana
Eine Route wie ein Farbkasten – und für uns hat jeder Tag seine eigene Geschichte.
Jamaika und Steven- ein Mensch, der hängen geblieben ist.Der Wirbelsturm Melissa hat Jamaika schwer getroffen. Ocho Rios tastet sich langsam zurück ins Licht, Montego Bay kämpft noch. Und Steven, unser Local von damals? Bei ihm zu Hause ist immer noch alles dunkel. WhatsApp funktioniert nur, wenn ein Starlink-Satellit gerade zufällig wie ein kleiner kosmischer Postbote vorbeifliegt.Vor vier Jahren wollte er kein Geld nehmen, als wir wegen des Todesfalls absagen mussten. „Family first“, hat er gesagt.Wir haben entschieden: Ob wir Jamaika erreichen oder nicht – wir bezahlen die Ausflüge. Weil er fair war. Weil es richtig ist. Weil Menschlichkeit nie verlorengehen sollte.
Unser eigentlich größtes Highlight: wir zwei. Panama ist die große Bühne. Aber das leise, echte Highlight dieser Reise ist die Zeit, die wir miteinander haben. Zwei Wochen, in denen wir frei atmen, die Welt neu sehen und Erinnerungen einsammeln, die bleiben – lange, nachdem der Urlaub vorbei ist.
Die Koffer sind gepackt, alles steht bereit – und morgen früh geht es endlich los. Heute Abend sitzen wir aber erst noch gemütlich mit Freunden beim Griechen. Ein letzter Abend zuhause, ein bisschen Tsatsiki, ein bisschen Vorfreude, und dann heißt es: Schlafen, aufstehen, Abenteuer.
Man könnte meinen, beim dritten Mal Dubai läuft alles ganz entspannt. Schließlich kennt man die Stadt schon, weiß wie der Hase läuft und hat die schönsten Ecken längst gesehen. Aber wer uns kennt, weiß: Bis kurz vor dem Abflug herrscht bei uns eher das organisierte Chaos. Lisa, Maik und Henry waren am Wochenende hier, heute Abend geht es auf das Konzert Marc Martel und am Dienstag auch noch mal arbeiten. Wir fahren direkt von der Arbeit an den Flughafen und starten dann gegen 23.00 Uhr.
Vom 1. bis 7. Oktober heißt es für uns: Sonne tanken statt Alltag wuppen. Diesmal führt uns die Reise nicht durch Malls, auf Wüstensafari oder in luftige Höhen auf den Burj Khalifa. Nein – unser Ziel ist die Palme. Genauer gesagt: das Rixos Hotel. Schon beim Gedanken daran, morgens mit Blick aufs Meer aufzuwachen, läuft uns ein wohliges Kribbeln über den Rücken. Luxus, Sonne, Pool, warme Abende unter Palmen – wir wollen nichts weiter, als die Seele baumeln lassen. Kein Sightseeing-Marathon, kein Zeitplan – nur wir, Liegen, Cocktails, gutes Essen und das sanfte Rauschen der Wellen. Ob das klappt?
Heute sind Thomas und ich seit 16,5 Jahren verheiratet – und das feiern wir ganz entspannt hier im Urlaub, umgeben von unseren Liebsten. Besser geht’s nicht.
Nach dem Frühstück schnürten wir die Schuhe für einen längeren Spaziergang. 5,8 Kilometer sollten es werden – eine Strecke, die uns Zeit zum Plaudern und Schauen ließ.
Lisa und Maik stießen später zu uns, denn der kleine Henry hatte vorher noch dringend eine neue Windel bestellt. Verständlich – frisch gewickelt läuft sich’s einfach besser.
Thomas und ich erkundeten zuerst das Herzstück des Parks: Vor dem Center gibt es eine kleine Promenade, wie eine Miniaturausgabe einer Fußgängerzone. Café für frische Brötchen, Thai-Schnellimbiss, Italiener, Crêpestand, Fischlokale, Souvenirgeschäfte – dazwischen Karussells, die Henry noch viel zu groß vorkommen, und eine Konzertmuschel, in der abends das Programm läuft. Wir bummelten ein wenig, kauften kurz ein, und da klingelte auch schon das Handy: „Wir sind unterwegs!“
Am Kreisel war Treffpunkt. Thomas probierte noch unser Auto zu laden, während Lisa und Maik mit Henry ankamen – nur um festzustellen, dass sie natürlich etwas in der Wohnung vergessen hatten. Klassisch! Maik opferte sich, sprintete zurück und tauchte kurz darauf stolz mit dem Elektroauto auf. Hier im Park ist das Ding wirklich Gold wert. Ob Brötchen holen oder „Mist, die Trage liegt noch oben!“ – alles wird im Handumdrehen erledigt.
Unser nächstes Ziel: der Flohmarkt im Ort, der jeden Sonntag stattfindet. Henry schlummerte auf dem Hinweg friedlich im Wagen, um dann pünktlich am Flohmarkt wieder aufzuwachen. Timing wie ein Profi. Viel Buntes gab es zu sehen, aber nicht unbedingt viel Brauchbares. Ein Abakus stand da – allerdings ist Henry mit seinen knapp fünf Monaten wohl noch nicht rechenbereit.
Also kehrten wir um und landeten in einem Café. Kaffee, Kuchen, Tee für uns – Muttermilch für Henry. Danach wollte unser kleiner Henry allerdings nicht mehr im Kinderwagen liegen. Zu langweilig, zu wenig Aussicht. Also trugen wir ihn abwechselnd, bis wir zurück im Ferienhaus waren. Dort wartete die wohlverdiente Mittagspause – und das Gefühl, dass dieser Urlaubstag genau die richtige Mischung aus Familienchaos und Entspannung hatte.
Nach unserem Spaziergang dachten wir uns ganz optimistisch: „Jetzt ein kleiner Mittagsschlaf für alle – Henry inklusive.“ Pustekuchen! Nach 30 Minuten stand das Ergebnis fest: Henry – 1, Eltern – 0. Also wieder raus an die frische Luft.
In der Trage bei Mama schlief Henry dann allerdings tief und fest – ganz so, als hätte er den Sieg nur gebraucht, um uns zu zeigen, wer hier wirklich die Fäden zieht. Lisa trug tapfer das schlafende Bündel Glück herum, während Maik die Zeit nutzte, um sich ein Backfischbrötchen mit viiiel Remoulade zu gönnen. Lisa durfte immerhin drei Bissen abhaben – Familiengerechtigkeit in seiner reinsten Form.
Zum Abendbrot gab’s Gulasch, liebevoll zuhause vorbereitet. Ein Stück Alltag inmitten des Urlaubs, und trotzdem schmeckte es wie ein Festessen.
Und dann: Henry in der Badewanne! Planschen, strahlen, glucksen – er hat das Wasser entdeckt. Wir sind uns ziemlich sicher: Da wächst eine kleine Wasserratte heran. Vielleicht schaffen wir es diese Woche noch ins Schwimmbad. Für uns als Oma und Opa war es jedenfalls ein Highlight des Tages, beim Baden zuzusehen. Henrys Freude steckt einfach an – man kann gar nicht anders, als mitzustrahlen.
Ihr werdet es kaum glauben: Der kleine Henry hat heute Nacht den Urlaubsrekord gebrochen. Am längsten geschlafen – und das nicht etwa im heimischen Bett, sondern hier, in unserem Ferienhaus! Mama Lisa konnte selbst kaum fassen, dass das letzte Stillen schon um halb acht abends war und die nächste Mahlzeit erst heute früh um halb vier kam. Man kann sagen: Die lange Fahrt gestern war wohl anstrengender als jede Baby-Yoga-Session.
Der Morgen begann entsprechend entspannt: wickeln, stillen, kuscheln, ein bisschen spielen. Zu Hause hatte ich schon für Henry ein T-Shirt für seinen ersten Nordsee-Urlaub entworfen und das bekam er heute auch gleich an. Henry strahlte sein breites „Jetzt-bin-ich-wieder-da“-Lächeln und wir machten uns auf in den Ort – stilecht mit Kinderwagen, dem royalen Gefährt für kleine Prinzen. Mission: Wasser, Toilettenpapier und ein paar Dinge, die man grundsätzlich immer vergisst. Ein kurzer Spaziergang, überschaubar weit, aber mit genug frischer Nordseeluft, um wirklich wach zu werden.
Zurück im Ferienhaus wartete ein Frühstück, das glatt in einer Werbung die Hauptrolle spielen könnte: Rührei, frische Brötchen, Kaffee – alles, was einen Urlaubstag perfekt starten lässt.
Gestärkt bestiegen wir danach unseren Elektroflitzer und düsten quer durch den Park, Richtung Nordsee. Für Henry war es überhaupt das allererste Mal Meer – ein winziger Schritt für ein Baby, aber ein großer Moment für die Familie. Auch für Lisa, Maik und Thomas war es die Nordsee-Premiere. Für mich dagegen eine kleine Zeitreise, denn schon als Kind war ich mit meiner Schwester zur Kur auf Sylt.
Nach diesem kleinen, besonderen Abstecher ging’s zurück ins „Center“. Dort gönnten wir uns einen Kaffee in der Parkmitte. Henry bekam sein ganz persönliches Highlight – sein allererstes Mal auf einer Rutsche. Keine Sorge, alles ganz vorsichtig, eher Fotoshooting als Action. Aber sein Gesicht sprach Bände: „Offiziell Park-Profi!“
Nach einer ausgedehnten Mittagspause – in der wir fast alle einen kleinen Schönheitsschlaf hielten – ging es am späten Nachmittag zur Wattwanderung. Lisa und Maik hatten zwar wenig Lust, aber Thomas hatte die Tickets schon gebucht, also blieb keine Ausrede. Barfuß stapften wir los, weil niemand an Gummistiefel gedacht hatte. Das Wasser war überraschend warm, die Füße versanken wohlig im Schlick, und überall tummelten sich Krabben, Muscheln und Wattwürmer. 1,5 Stunden später kamen wir dreckig, aber zufrieden zurück.
Zum Tagesabschluss gab es Spaghetti Bolognese und unser selbstgemachtes Fischbrötchen-Rätsel. Lisa gewann klar mit drei Punkten Vorsprung – und so war auch die Frage: Wer bezahlt die Fischbrötchen  schnell geklärt: Thomas und Maik sind ab jetzt offiziell die Fischbrötchen-Sponsoren.
Liebe Grüße bis morgen, Michi, Thomas, Lisa, Maik und Henry