Leider ist heute schon der 2. August und unser langes Wochenende beziehungsweise unser Kurzurlaub in Frankfurt geht zu Ende.
Für heute hatten wir ursprünglich noch ein schönes Abschlussprogramm geplant. Zuerst wollten wir japanisch frühstücken und anschließend gegen 12 Uhr zum Fischerstechen am Main. Das soll hier eine richtig schöne Veranstaltung sein und wäre eigentlich ein schöner Abschluss für unseren Kurzurlaub gewesen.
Als wir gestern Abend allerdings auf dem Rückweg zum Hotel waren, bemerkten wir, dass heute auch noch der Frankfurt-Triathlon stattfindet. Das erklärte vermutlich die vielen Menschen, die Absperrungen und das allgemeine Gewusel in der Stadt. Da sowohl unser gebuchtes Frühstück als auch das Fischerstechen mitten in Frankfurt lagen, beschlossen wir, unseren Plan lieber zu ändern.
Gegen neun Uhr traten wir deshalb die Heimreise an und wollten uns zu Hause noch irgendwo ein schönes Frühstück gönnen. Man muss schließlich flexibel bleiben – besonders dann, wenn halb Frankfurt gleichzeitig schwimmt, Fahrrad fährt oder durch die Straßen rennt.
Wir hatten wirklich einen tollen Kurzurlaub. Das Wetter war hervorragend, unser Programm hat gut geklappt und wir haben gemeinsam sehr viel erlebt und gelacht.
Und das Wichtigste: Trotz täglich mehr als 20.000 Schritten, großer Hitze und mehreren notwendigen Duschen können wir uns immer noch riechen.
Ganz abgeschlossen ist Frankfurt für uns allerdings noch nicht. Das Senckenberg Museum möchten wir in der Weihnachtszeit nachholen, am besten verbunden mit einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt.
Heute sollten die Museen im Mittelpunkt stehen. Zumindest war das der Plan. Und weil wir tatsächlich alle gut geschlafen hatten, starteten wir zunächst erstaunlich ausgeruht in den Tag. Um 8:20 Uhr trafen wir uns, denn im Hotel wollten wir heute nicht frühstücken. Stattdessen sollte es mit Bus und Bahn in die Frankfurter Innenstadt gehen. Ganz so frisch, wie wir uns nach der Nacht zunächst fühlten, waren wir allerdings doch nicht. Schon ziemlich früh meldeten sich unsere Beine und Füße und erinnerten uns sehr deutlich daran, wie viele Kilometer wir am Vortag zurückgelegt hatten. Offenbar hatte sich der gestrige Tag nicht einfach über Nacht aus unseren Körpern verabschiedet. Unser erstes Ziel war die Kleinmarkthalle. Dort sollte es ein Café geben, in dem man gemütlich sitzen, frühstücken und gleichzeitig das bunte Treiben in der Halle beobachten konnte. Das klang sehr schön – theoretisch jedenfalls. Wir schlenderten durch die Markthalle, bestaunten die vielen Stände und fanden tatsächlich auch das besagte Café. Allerdings standen wir dort vor verschlossenen Türen: Betriebsferien. Ausgerechnet jetzt. Also verließen wir die Halle wieder und machten uns im Regen auf die Suche nach einer Alternative. Der Morgen war überraschend frisch, und so waren wir froh, als wir schließlich ein anderes Café fanden. Dort konnten wir uns endlich hinsetzen und ganz in Ruhe frühstücken. Manchmal findet man eben genau das Café, das man sucht – und darf dann trotzdem nicht hinein. Anschließend ging es weiter ins Struwwelpeter-Museum. Wir waren überrascht, wie interessant dieses Museum war und wie viel es dort zu entdecken gab. Gleich zu Beginn erzählte uns ein Mitarbeiter einiges über den Autor Heinrich Hoffmann, sein Anliegen und darüber, wie der Struwwelpeter überhaupt entstanden ist. Natürlich überlegten wir auch, ob wir unseren Enkeln ein Bilderbuch mitbringen sollten. Doch so, wie wir unsere Kinder kennen, würden sie den klassischen Struwwelpeter vermutlich nicht unbedingt als pädagogisch wertvolle Gute-Nacht-Lektüre betrachten. Dabei gibt es inzwischen wirklich die unterschiedlichsten Fassungen und Parodien – sogar politische Versionen, beispielsweise mit Adolf Hitler. Der Struwwelpeter hat offenbar deutlich mehr erlebt, als wir bisher geahnt hatten.
Reiner kannte die Geschichten nicht ganz so gut und nahm sich deshalb besonders viel Zeit zum Lesen. Vielleicht war das aber auch eine durchaus geschickte Tarnung für eine kleine Erholungspause. Der gestrige Tag steckte uns nämlich allen noch ziemlich in den Knochen. Reiner und Thomas fanden jedenfalls einen schnuckeligen Sitzplatz und wirkten dort ausgesprochen zufrieden. Im Museumsshop fanden wir dann doch noch ein Buch für unsere Enkel: „Der Nasenboris und weitere kuriose Kurzgeschichten“. Es ist so etwas wie ein moderner Verwandter des Struwwelpeters. In lustigen Reimen geht es um heutige kleine und große Untugenden – vom Nasebohren bis zur ständigen Handynutzung. Deutlich zeitgemäßer als das Original, ein bisschen frech und vermutlich genau deshalb für uns unwiderstehlich.
Nach dem Shoppen ging es weiter Richtung Main. Wir wollten nach Sachsenhausen und mussten dafür zunächst den Eisernen Steg überqueren.Schon von der Brücke aus sahen wir, dass am Main ordentlich etwas los war: Es war schließlich Mainfest. Zwischen Buden, Fahrgeschäften und dem typischen Duft eines Volksfestes entdeckten wir ein ganz besonderes Karussell mit dem passenden Namen „Schoppendreher“. Dort konnte man ganz gemütlich und sehr langsam im Kreis fahren und dabei Ebbelwoi trinken. Ein Karussell, bei dem nicht die Geschwindigkeit, sondern das Getränk im Mittelpunkt steht – viel mehr Frankfurt geht eigentlich kaum. Also tranken wir gegen zwölf Uhr unseren ersten Ebbelwoi des Tages. Man muss schließlich auch die regionalen Traditionen unterstützen. Und falls uns vom Drehen ein wenig schwindelig wurde, ließ sich im Nachhinein sowieso nicht mehr eindeutig feststellen, ob das am Karussell oder am Ebbelwoi lag. Danach ging es weiter nach Sachsenhausen. Dort stöberten wir durch zwei Plattenläden, bevor wir in einem typischen Apfelweinlokal Mittagspause machten. Wir probierten Handkäse und außerdem ein Gericht namens Schneegestöber – eine Art angemachter Camembert. Man kann schließlich nicht nur kulturell, sondern muss gelegentlich auch kulinarisch mutig sein. Natürlich gab es zum Mittagessen wieder einen Ebbelwoi. Der schmeckte zwar gut, trug aber nicht gerade dazu bei, unsere ohnehin vorhandene Müdigkeit zu vertreiben. Im Gegenteil: Nach dem Essen und dem zweiten Apfelwein des Tages hätte vermutlich jeder von uns problemlos ein kleines Nickerchen direkt am Tisch machen können. Besonders Reiner war nun sehr müde. Ehrlicherweise waren wir aber alle nicht mehr ganz taufrisch. Schon um die Mittagszeit zeigte der Schrittzähler erneut rund 10.000 Schritte an. Und da der gestrige Tag ebenfalls noch deutlich in unseren Beinen steckte, beschlossen wir kurzerhand, zurück ins Hotel zu fahren und eine längere Pause einzulegen. Das erwies sich allerdings als komplizierter als gedacht. Mehrere U-Bahnen fielen aus – teilweise wegen Bauarbeiten, teilweise, weil sich Menschen auf den Gleisen befanden, und vermutlich gab es noch einige weitere Gründe, die wir irgendwann nicht mehr vollständig nachvollziehen konnten. Nachdem wir eine ganze Weile gewartet hatten, gaben wir auf und bestellten uns einen Uber. Die Fahrt zurück war ausgesprochen unterhaltsam. Unser Fahrer schaute zwischendurch auf YouTube Nachrichten – während der Fahrt. Das war zwar informativ, aber nicht unbedingt das Unterhaltungsprogramm, das wir uns für eine Taxifahrt ausgesucht hätten. Doch wir kamen wohlbehalten im Hotel an. Und damit war klar: Jetzt brauchten wir erst einmal Ruhe. Schließlich war der Tag noch nicht vorbei – und weitere Museen warteten bereits auf uns.
Doch zu weiteren Museen kam es an diesem Tag nicht mehr. Unsere Pause fiel offenbar etwas gründlicher aus als geplant, denn erst gegen 17 Uhr waren wir wieder startklar. Statt noch ein straffes Kulturprogramm durchzuziehen, fuhren wir einfach zurück in die Innenstadt und bummelten durch das viel zu volle Frankfurt. Es war unglaublich, wie viele Menschen an einem Samstag in der Stadt unterwegs waren. Gefühlt hatte sich ganz Frankfurt gleichzeitig dazu entschlossen, durch dieselben Straßen zu laufen wie wir. Gemütliches Schlendern war also nur bedingt möglich – eher ein gemeinsames Vorwärtsschieben in großer Gesellschaft. Für 19 Uhr hatten wir einen Tisch im Longobardi’s reserviert, einem kleinen italienischen Restaurant am Main. Und das Essen war wieder einmal richtig lecker. Überhaupt hatten wir während der ganzen Tage mit unserem Schlemmerblock ausgesprochen gutes Glück: Egal, wo wir einkehrten, wir haben immer hervorragend gegessen. Unser Frankfurt-Urlaub entwickelte sich damit nebenbei auch zu einer kleinen kulinarischen Rundreise. Nach dem Essen liefen wir direkt am Main entlang zurück zum Mainfest. Was für ein Trubel! Überall blinkten bunte Lichter, die Fahrgeschäfte drehten ihre Runden, Musik kam aus allen Richtungen und in der Luft lag dieser typische Rummelduft nach gebrannten Mandeln, Popcorn und allerlei anderen Dingen, denen man eigentlich kaum widerstehen kann. Mitten in diesem Gewimmel fanden wir tatsächlich noch einen freien Tisch. Dort tranken wir ein Weizenradler und probierten ein Mispelchen, einen typischen Frankfurter Absacker: ein kleines Glas Calvados beziehungsweise Apfelbrand mit einer eingelegten Mispelfrucht. Klein, fruchtig, etwas stärker als erwartet – aber sehr lecker. Wir saßen mitten im Trubel, beobachteten die Menschen und genossen die besondere Atmosphäre am Main. Um uns herum blinkte, duftete und lärmte es, und trotzdem war es ein schöner Abschluss für diesen Tag. Manchmal braucht es eben gar kein weiteres Museum. Ein Tisch mitten auf dem Mainfest, gute Gesellschaft und ein Mispelchen können schließlich ebenfalls sehr lehrreich sein. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Am Ende standen wieder gut 20.000 Schritte auf unseren Anzeigen. Unsere Beine und Füße ließen keinen Zweifel daran, dass sie jeden einzelnen davon mitgezählt hatten. Wir hatten viel gesehen, hervorragend gegessen, Frankfurter Spezialitäten probiert und wieder einmal deutlich mehr Kilometer zurückgelegt als ursprünglich geplant. Nun wollten wir eigentlich nur noch ins Bett – und hofften, dass unsere Füße uns bis zum nächsten Morgen verzeihen würden.
Thomas und ich waren bereits gegen halb sechs wach. Nicht etwa, weil wir im Urlaub besonders unternehmungslustig sind – das ist einfach unsere ganz normale Aufstehzeit von zu Hause. Unsere innere Uhr kennt offenbar auch im Urlaub keine freien Tage.
In der Hotelbeschreibung war ein „außergewöhnliches Frühstück“ angekündigt worden. Und außergewöhnlich war es tatsächlich: Irgendwann zwischen halb sieben und sieben hing plötzlich eine Tüte an unserer Zimmertür. Darin befanden sich zwei Schokocroissants, zwei Laugenbrezeln mit ganz viel Käse und zwei Laugenstangen.
Während Sabine und Rainer noch etwas in ihren Betten schlummerten, saßen Thomas und ich bereits gegen sieben Uhr ganz gemütlich mit unserem Kaffee und dem Frühstücksgebäck auf der Bank vor dem Hotel. Die Schokocroissants waren übrigens richtig lecker. So konnte der Tag beginnen.
Lange dauerte es allerdings nicht, bis auch Sabine und Reiner auftauchten. Danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg – allerdings noch nicht direkt zur Stadterkundung. Schließlich hatten wir im Restaurant Francis im Holiday Inn noch ein richtiges Frühstück gebucht. Und was gebucht ist, wird gegessen. Wir sind da sehr zuverlässig.
Das Frühstück war wirklich toll. Die Brötchen waren lecker, der Kaffee war klasse und es gab sogar eine Eierstation, an der nahezu jeder Eierwunsch erfüllt wurde: Rührei, Spiegelei, Spiegelei ohne Dotter, pochierte Eier und noch einiges mehr.
Sabine nutzte außerdem gleich die Gelegenheit, bereits zum Frühstück eine Frankfurter Spezialität zu probieren: Handkäse. Damit ist sie eindeutig mutiger als ich. Für mich geht Handkäse nämlich überhaupt nicht – weder zum Frühstück noch zum Abendessen. Eigentlich zu keiner Tageszeit. Geht gar nicht.
Mit entsprechend gut gefüllten Bäuchen machten wir uns anschließend auf den Weg zum Main. Dort wartete unser nächster Programmpunkt: eine einstündige Panoramafahrt. Ganz bequem ließen wir uns die Frankfurter Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus zeigen und bekamen nebenbei auch noch alles erklärt. So erfuhren wir tatsächlich das eine oder andere Neue. Urlaub und Bildung in einem – wir waren heute ausgesprochen vorbildlich unterwegs.
Da es draußen ziemlich heiß war, bestellten wir uns auf dem Schiff noch einen alkoholfreies Radler. Nicht etwa aus Vergnügen, sondern selbstverständlich ausschließlich wegen der Elektrolyte. Wir achten schließlich gewissenhaft auf unsere Gesundheit.
Nach der Schifffahrt liefen wir weiter in die Frankfurter Altstadt zum Roten Haus, einem alten Frankfurter Lokal, in dem es Bratwürste und typische Frankfurter Spezialitäten gibt. Wir entschieden uns für Kartoffeln mit Frankfurter Grüner Soße. Schließlich muss man die örtlichen Spezialitäten wenigstens einmal probiert haben.
Mein persönliches Lieblingsgericht wird die Grüne Soße vermutlich nicht mehr. Aber wir haben tapfer aufgegessen. Das gehört sich so, wenn man im Urlaub kulinarische Forschungsarbeit betreibt.
Danach ging es noch ein kleines Stück durch Frankfurt, bevor wir mit der Bahn zurück zum Hotel fuhren. Von halb vier bis kurz vor fünf lagen wir auf unseren Betten und gönnten unseren Füßen eine wohlverdiente Pause. Mehr als 10.000 Schritte hatten wir bereits geschafft – und der Tag war noch lange nicht vorbei.
Gegen 17 Uhr waren wir nach unserer Pause wieder einigermaßen fit und bereit für die nächste Runde. Nun stand die Stadtführung „Bahnhofsviertel FFM – Rotlicht, Lifestyle & Vielfalt“ auf dem Programm. Eigentlich wollten wir ganz bequem mit Bus und Bahn zum Treffpunkt fahren. Allerdings verpassten wir zuerst den Bus vom Hotel zum Bahnhof und mussten deshalb schon einmal das erste Stück laufen. Anschließend hatte auch noch der Zug Verspätung. Zum Glück haben wir mit Thomas einen echten Fachmann für Fahrpläne und öffentliche Verkehrsmittel dabei. Er führte uns sicher durch das Frankfurter Verkehrschaos, und trotz aller Hindernisse standen wir pünktlich um 18 Uhr am Treffpunkt. Knapp, aber pünktlich – und nur das zählt. Die Führung begann zunächst etwas schleppend, wurde dann aber immer interessanter. Wir waren eine Gruppe von ungefähr 30 Personen und liefen gemeinsam durch das Bahnhofs- und Rotlichtviertel. Vom früheren Rotlichtmilieu ist offenbar gar nicht mehr so viel übrig. Peep-Shows werden heute kaum noch gebraucht – das Internet hat schließlich auch vor dieser Branche nicht haltgemacht. Umso erschreckender war die offene Drogenszene. Wir kamen an Hilfseinrichtungen und Straßen vorbei, auf denen suchtkranke Menschen saßen. Das zu sehen, war beklemmend und machte uns traurig. Gleichzeitig stellte niemand eine Gefahr für uns dar: Wir wurden weder angesprochen noch belästigt. Trotzdem blieb ein ungutes Gefühl zurück. Die Führung war interessant und zeigte uns eine Seite Frankfurts, die man bei einer normalen Besichtigung vermutlich nicht kennenlernen würde. Dabei war es immer noch unglaublich heiß. Wir schwitzten wirklich schlimm und waren zwischenzeitlich mehr oder weniger durchgehend nass. Immerhin konnten wir uns noch selbst riechen – ein gutes Zeichen dafür, dass noch nicht alles verloren war. Danach wollten wir erst einmal etwas essen. Natürlich hatten wir auch das Lokal bereits im Voraus gebucht. Mittlerweile halten wir uns für ziemlich erfahren im Frankfurter Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Verkehr. Deshalb war es selbstverständlich auch überhaupt kein Problem, dass wir zunächst zum falschen Restaurant fuhren. Es gibt nämlich zwei Lokale mit demselben Namen – eine Information, die uns erst vor Ort wirklich weiterhalf. Selbst unser Fahrplanexperte Thomas konnte schließlich nicht wissen, dass Frankfurt gleich zwei gleichnamige Restaurants für uns bereithält. Aber auch diese kleine Zusatzrunde meisterten wir, und gegen halb neun saßen wir tatsächlich pünktlich im richtigen Lokal. Das Abendessen war total lecker und gab uns noch einmal etwas Kraft für den letzten Programmpunkt des Tages. Obwohl wir inzwischen schon ziemlich müde waren, ging es um 22:30 Uhr zur zweiten Führung: „Der alptraumhafte Sandmann – Interaktives Horror-Theater trifft Stadtführung“.Als wir am Treffpunkt ankamen, gruselten wir uns tatsächlich schon ein wenig. Dort stand ein Mann mit einer unheimlichen Maske – und außer uns vieren war niemand da. Wir hatten zwar mit einer Gruselführung gerechnet, aber eine private Begegnung mit einem maskierten Sandmann war dann doch etwas anderes. Der Sandmann sprach vom Teufel, vom Tod, von seiner Oma und zwischendurch auch davon, wie er uns töten wollte. Das war schon ziemlich spooky. Gleichzeitig führte er uns zu vielen interessanten Stellen in Frankfurt und erzählte auf seine ganz eigene, schräge Art von der Stadt. Wegen des Mainfestes konnten wir leider nicht überall entlanggehen, doch das tat der Führung keinen Abbruch. Gegen halb zwölf war das Programm schließlich beendet und wir machten uns auf den Rückweg zum Hotel. Dort kamen vier ziemlich erschöpfte, völlig verschwitzte, aber um viele Eindrücke reichere Frankfurt-Entdecker an.
Am Ende des Tages standen mehr als 20.000 Schritte, insgesamt drei Duschen und die Erkenntnis, dass es gestern wirklich unglaublich heiß gewesen war. Wir hatten so viel geschwitzt, dass die dritte Dusche nicht mehr nach Luxus klang, sondern nach einer hygienischen Notwendigkeit. Jetzt sehnten wir uns nur noch nach unseren Betten. Selbst unsere innere Uhr dürfte verstanden haben, dass sie uns am nächsten Morgen besser ein paar Minuten länger schlafen lässt.
Die Taschen sind fast gepackt, das Programm steht, die Vorfreude steigt – und wahrscheinlich fällt uns spätestens morgen früh noch etwas ein, das unbedingt mit muss.
Vom 30. Juli bis zum 2. August 2026 machen wir eine Kurzreise nach Frankfurt.
„Frankfurt?“, könnte man jetzt fragen. „Das ist doch gar nicht weit weg. Da könnt ihr doch morgens hinfahren und abends wieder nach Hause.“
Ja, könnten wir.
Wir könnten allerdings auch jeden Morgen Taschen packen, überlegen, ob wir wirklich alles dabeihaben, nach Frankfurt fahren und abends müde wieder zurückkommen.
Oder wir machen es richtig.
Wir lassen zu Hause einfach alles liegen, was uns dort normalerweise beschäftigt, ziehen für ein paar Tage ins Towerhotel und tun so, als wären wir auf großer Weltreise. Schließlich kommt es nicht darauf an, wie viele Kilometer man fährt. Entscheidend ist, wie weit man sich innerlich vom Wäschekorb entfernt.
Mit dabei sind natürlich wieder unsere Freunde Sabine und Reiner.
Die beiden waren bereits öfter mit uns unterwegs und wissen genau, worauf sie sich einlassen. Und trotzdem begleiten sie uns erneut. Das spricht eindeutig für eine sehr gute Freundschaft – und dafür, dass sie unseren ganz eigenen Reisestil inzwischen bestens kennen.
Wir vier sind inzwischen ein eingespieltes Reiseteam. Jeder kennt die Eigenheiten der anderen, niemand erwartet dauerhafte Vernunft, und kleinere Planänderungen werden von uns nicht als Problem, sondern als Beginn einer neuen Geschichte betrachtet.
Für die wenigen Tage habe ich selbstverständlich ein Programm erstellt. Nicht einfach irgendein Programm, sondern Tagespläne im Comicstil. Denn ein normaler Reiseplan wäre für uns viel zu übersichtlich und vernünftig gewesen.
Die Bilder sehen bereits so lustig aus, dass wir eigentlich nur noch versuchen müssen, uns während der Reise ungefähr daran zu halten. Erfahrungsgemäß ist das allerdings eher eine freundliche Empfehlung als ein verbindlicher Ablauf.
Unser Plan ist jedenfalls klar:
Frankfurt entdecken, gut essen, viel lachen, vielleicht ein bisschen Kultur mitnehmen und für ein paar Tage so tun, als gäbe es zu Hause weder Termine noch Pflichten noch Dinge, die dringend erledigt werden müssten.
Wir wollen keine Expedition bestehen, keine Rekorde brechen und auch nicht jeden berühmten Stein in Frankfurt fotografieren.
Wir wollen einfach gemeinsam Spaß haben.
Und da wir uns alle vier gut kennen, ist eines schon vor der Abfahrt sicher:
Die besten Geschichten werden vermutlich wieder dort entstehen, wo der sorgfältig ausgearbeitete Plan endet.
Heute hatten wir einen ganz entspannten letzten Seetag. Morgen früh endet unsere Reise in Hamburg und irgendwie sind diese zehn Tage wie im Flug vergangen. Ein bisschen traurig sind wir schon, denn wir, ich und Thomas werden die Drei zuhause bestimmt sehr vermissen.
Heute Morgen wachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf und Thomas und ich konnten das richtig genießen. Zum ersten Mal seit Tagen war sogar Frühstück im Freien möglich – mit Sonne im Gesicht und Meerblick. Besser kann ein letzter Seetag eigentlich kaum starten.
Lisa, Maik und natürlich der kleine Henry machten dagegen erst einmal Urlaub vom Urlaub und schliefen gemütlich bis 8:30 Uhr. Eigentlich sogar bis 9:30 Uhr, denn die Uhren wurden in der Nacht wieder umgestellt. Irgendwann schafften die drei es dann aber doch noch zum Frühstück.
Um 11 Uhr besuchten Lisa und ich einen Strudel-Workshop. Das war wirklich richtig gut und natürlich mussten die Ergebnisse später auch getestet werden. Um 15 Uhr gab es dann die große Verkostung mit unseren Lieben – und ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass Henry vom Strudel restlos begeistert war. Sobald irgendwo Essen auftaucht, ist unser kleiner Feinschmecker schließlich sofort zur Stelle.
Den Nachmittag verbrachten wir ganz entspannt im Spieleparadies. Henry spielte, tobte und hatte noch einmal richtig Spaß, während wir Erwachsenen die letzten Stunden an Bord einfach genossen haben.
Und nun heißt es langsam Abschied nehmen. Morgen endet unsere Reise leider schon. Wir hatten wunderschöne Tage mit vielen lustigen Momenten, gutem Essen, Wind, Sonne, etwas Seegang und ganz vielen gemeinsamen Erinnerungen.
P. S. So sieht es übrigens am Platz aus Henry fertig ist mit Essen
Vielen Dank, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet habt ☀️
Heute sind wir in Dover angekommen. Ich, Michi, war schon um 5:15 Uhr hellwach und habe Thomas geweckt, weil ich dachte, es wäre bereits 6:15 Uhr. Dafür wurde er immerhin mit einem traumhaften Sonnenaufgang belohnt. Lisa war übrigens auch schon viel zu früh wach und ebenfalls überzeugt, die Uhr wäre weiter. Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass unsere Handys und Uhren ständig automatisch die Zeitzone umstellen. Wenn man hier zwischen England und Frankreich unterwegs ist, springt die Uhr gefühlt dauernd hin und her. Frankreich hat nämlich die gleiche Uhrzeit wie wir zu Hause in Deutschland, England dagegen ist eine Stunde zurück. Deshalb leben wir hier die ganze Zeit irgendwie „eine Stunde hinter euch“.
Bei der Einfahrt nach Dover fuhren wir an den berühmten weißen Kreidefelsen vorbei – den sogenannten White Cliffs of Dover. Die bis zu über 100 Meter hohen Felsen bestehen aus heller Kreide mit schwarzen Feuersteinadern und sind eines der bekanntesten Wahrzeichen Großbritanniens.
Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß nach Dover in die Stadt gelaufen. Dort haben wir uns erst einmal getrennt. Thomas und ich landeten in einem total süßen kleinen Café – und genauso süß war wohl auch Thomas’ Frappe. Ich glaube, da war mehr Sahne als Kaffee drin.
In der Stadt haben wir uns erst einmal aufgeteilt. Lisa und Maik waren mit Henry unterwegs, während Thomas und ich ganz entspannt mal wieder etwas Zeit zu zweit hatten und durch die Stadt gebummelt sind. Nach gut einer Stunde trafen wir uns aber wieder und gingen gemeinsam lecker Mittagessen.
Auf dem Rückweg zum Schiff liefen wir am Hafen entlang – bei absolutem Traumwetter. Nachdem wir uns noch ein leckeres Eis gegönnt hatten, beschlossen Lisa und Henry spontan, die Füße im Ärmelkanal baumeln zu lassen. Und ja: Henry fand das mindestens genauso spannend wie wir.
Auf dem Rückweg zum Schiff haben wir noch an einem schönen kleinen Kiosk direkt am Ärmelkanal Halt gemacht. Bei dem tollen Wetter ließen sich Lisa und Henry natürlich nicht zweimal bitten und planschten mit den Füßen im eiskalten Wasser. Henry fand das großartig
Um 17:00 Uhr saßen wir dann gemütlich in der Hoheluft Bar auf dem Schiff. Für uns Erwachsene gab es einen Cocktail, und Henry bekam natürlich sein „Kinderbier“. Damit war er mindestens genauso zufrieden wie wir.
Für Henry gab es am Abend im Club der Seeräuber dann noch einen kleinen Sensorik-Kurs. Dort wurde gespielt, entdeckt und ausprobiert – genau nach Henrys Geschmack. Da wurde geklopft, gefühlt, bestaunt und natürlich auch alles ganz genau untersucht.
Heute war bei uns ganz klar: Entspannungstag. Unser dritter Seetag stand komplett unter dem Motto „faul sein, gut essen und einfach treiben lassen“.
Heute Morgen beim Aufwachen war das Wetter allerdings wirklich gruselig. Auf dem Weg nach Dover hing alles voller Nebel und grauer Wolken. Man konnte teilweise überhaupt keinen Horizont mehr erkennen. Das Schiff musste ständig sein Horn einsetzen, damit andere Schiffe gewarnt werden. Dieses tiefe Nebelhorn alle paar Minuten hatte schon eine ganz besondere Stimmung — irgendwie gemütlich und unheimlich gleichzeitig.
Nach dem Frühstück ging es für Henry natürlich erst einmal ins Spieleparadies. Dort hat der kleine Mann direkt neue Freunde gefunden und ordentlich gespielt, während wir Erwachsenen den Tag etwas ruhiger angingen. Ich, Michi, bin heute ein bisschen erkältet, aber nichts Dramatisches. Thomas nutzte den entspannten Tag natürlich professionell und verbrachte viel Zeit in der Sauna. Lisa und Maik beschäftigten sich derweil mit dem kleinen Henry.
Und Henry macht gerade riesige Fortschritte beim Laufen. Immer wieder läuft er schon ein oder zwei Schritte ganz alleine — meistens genau dann, wenn er gar nicht merkt, dass er gerade läuft. Oder wenn Papa ihn an der Hüfte leicht festhält und Henry einfach losmarschiert, ohne groß darüber nachzudenken. Und ehrlich gesagt: Auf einem schwankenden Kreuzfahrtschiff zählen die ersten Schritte wahrscheinlich doppelt.
Beim Mittagessen zeigte Henry dann sehr deutlich, dass er inzwischen ganz eigene kulinarische Vorstellungen hat. Sein Gläschen wollte er heute überhaupt nicht. Stattdessen standen Erbsen und Süßkartoffelstampf ganz hoch im Kurs. Das absolute Highlight waren allerdings die Spareribs von Mama. Die schmeckten ihm offenbar so gut, dass wir irgendwann vorsichtshalber den Tisch etwas umorganisieren mussten, damit nicht das komplette Umfeld an seinem Mittagessen beteiligt wird.
Sein Essen blieb übrig
Am Nachmittag änderte sich das Wetter dann plötzlich komplett. Seit etwa 14:30 Uhr hatten wir strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel. Allerdings war es ziemlich windig. Sobald man nicht irgendwo windgeschützt saß, wurde es richtig kalt. Aber Sonne macht selbst kalten Wind irgendwie angenehmer.
Vor dem Schlafengehen stand dann noch Henrys persönliches Abendprogramm an: Treppentraining. Mit großer Begeisterung krabbelte er die vielen Treppen auf dem Schiff rauf und runter — und das mittlerweile schon richtig gut. Dabei hatte er natürlich auch einige Zuschauer, die ihn begeistert beobachteten. Henry genoss die Aufmerksamkeit sichtbar und krabbelte stolz weiter, als wäre das Schiff heute nur für sein persönliches Fitnessprogramm gebaut worden.
Heute stand also Liverpool auf dem Programm. Mit dem Taxi ließen wir uns zuerst zum Anfield fahren. Schon von außen merkt man sofort: Hier ist Fußball nicht einfach nur Sport – hier ist es Religion. Selbst wir Nicht-Profis konnten spüren, dass dieser Ort für die Fans etwas ganz Besonderes ist.
Natürlich blieb es nicht beim Anschauen. Für den kleinen Henry musste standesgemäß Fan-Nachwuchs-Ausstattung her. Also gab es einen Liverpool-Fanschal, kleine Fan-Socken und sogar ein Bilderbuch vom Liverpool F.C.. Spätestens jetzt gehört Henry wohl offiziell zur jüngsten Fanabteilung der Reds.
Danach ging es zu Fuß weiter Richtung Innenstadt. Henry ließ sich natürlich wieder von allem ablenken, was Räder hatte, blinkte oder Geräusche machte. Wahrscheinlich hätte er am liebsten jeden zweiten Bus persönlich untersucht. Und während wir Erwachsenen die Stadt anschauten, war Henry hauptsächlich damit beschäftigt, freundlich fremde Menschen anzulächeln — mit erstaunlich großem Erfolg.
Auf dem Rückweg Richtung Innenstadt legten wir noch eine kleine Pause an der Liverpool Central Library ein. Der Weg vom Stadion zurück war nämlich doch deutlich länger, als wir anfangs gedacht hatten.
Während Henry ganz friedlich im Wagen schlief, genossen wir kurz das Durchatmen und das Gefühl, einfach mitten in Liverpool unterwegs zu sein. Nach Fußballstadion, Fanshop und langem Fußmarsch machten sich unsere Beine inzwischen doch bemerkbar. Henry hingegen ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken — einmal kurz im Kinderwagen eingeschlafen und schon war die Welt wieder vollkommen in Ordnung.
So langsam merkten wir aber alle: Liverpool entdeckt man am besten zu Fuß … und dabei sammelt man automatisch einige zusätzliche Kilometer, die ursprünglich ganz sicher nicht geplant waren.
Zum Mittagessen gab es dann ganz typisch britisch Fish and Chips. Wenn man schon einmal in Liverpool ist, gehört das einfach dazu.
Der kleine Henry war natürlich sofort interessiert, sobald Essen auf dem Tisch stand. Und wie inzwischen üblich, wollte er selbstverständlich überall mitprobieren. Besonders die Pommes hatten es ihm angetan. Man könnte inzwischen meinen, Henry führt auf dieser Reise einen internationalen Geschmackstest durch — gestern schottische Crisps, heute britische Fish and Chips.
Jedenfalls war sehr schnell klar: Der Appetit unseres kleinen Mitreisenden wird von Tag zu Tag größer. Wahrscheinlich braucht er bald nicht nur ein neues Armband fürs Schiff, sondern auch eine eigene Portion auf der Speisekarte.
In der City von Liverpool haben wir dann – passend zu Henrys Pullover und seinem heutigen Outfit – tatsächlich Paddington Bär getroffen. Henry war erst einmal etwas skeptisch, ob der kleine Bär mit Hut und Marmeladenbrot wirklich vertrauenswürdig ist. Während Mama noch versuchte, ihn zum gemeinsamen Foto zu motivieren, saß Paddington ganz entspannt auf der Bank und wartete geduldig.
Irgendwie passte das Bild perfekt zu unserem Tag in Liverpool: ein bisschen britisch, ein bisschen chaotisch und auf jeden Fall ziemlich niedlich.
Natürlich entdeckten wir im Kaufhaus auch sofort die typisch britische Seite von Liverpool: unzählige elegante Hüte und Fascinators in allen Farben und Formen.
Von knalligem Pink über sattes Grün bis hin zu königlichem Dunkelblau war alles dabei. Man hatte direkt das Gefühl, jeden Moment könnte irgendwo eine royale Gartenparty beginnen.
Zum Abschluss unseres Liverpool-Tages haben wir natürlich noch die berühmtesten Söhne der Stadt besucht: die The Beatles. Ein Erinnerungsfoto mit den Beatles gehört hier schließlich fast genauso dazu wie Fish and Chips oder Fußball.
Henry nahm das Ganze allerdings ziemlich entspannt. Ob echte Menschen, Straßenmusiker oder berühmte Statuen — Hauptsache, es gibt etwas zu entdecken. Und weil so ein langer Tag in Liverpool anstrengend ist, gönnte sich der kleine Mann zum Abschluss natürlich noch ein Eis.
Damit war sein persönlicher Höhepunkt des Tages vermutlich gefunden. Fußballstadion schön und gut, Beatles interessant … aber Eis gewinnt am Ende eben doch gegen alles.
Als wir heute Morgen aufwachten, war erstmal nicht viel zu sehen. Eigentlich sah alles gleich grau aus – Himmel grau, Meer grau, irgendwo dazwischen vermutlich noch Schottland. Nur ab und zu flog mal eine Möwe vorbei. Die hatte anscheinend bessere Orientierung als wir. Also war erst mal duschen und frühstücken angesagt, in der Hoffnung, dass sich draußen vielleicht doch noch etwas mehr erkennen lässt. Natürlich durfte auch das Zähneputzen von Henry nicht fehlen. Danach bekam er stolz sein T-Shirt angezogen, das ich extra für unseren Urlaub bedruckt hatte.
Nach dem Frühstück ging es mit Henry erst einmal in den Spielkreis. Dort wurde gespielt, geklettert und ein grünes Krokodil ausführlich getestet. Danach machten wir uns wetterfest und liefen bei typisch schottischem Wetter nach Greenock. Also: Regen. Viel Regen. Und zwischendurch zur Abwechslung noch ein bisschen mehr Regen.
Henry fand das Ganze allerdings großartig. Das Regenverdeck seines Kinderwagens klappte durch den Wind ständig auf und zu und er machte begeistert selbst mit. Für ihn war das vermutlich die Attraktion von Greenock schlechthin. Henry ließ sich vom Regen jedenfalls überhaupt nicht beeindrucken. Dick eingepackt im gelben Regenanzug grinste er fröhlich durch Greenock, als wäre genau dieses Wetter extra für ihn bestellt worden.
Übrigens stammt aus Greenock James Watt, der die Dampfmaschine entscheidend verbessert hat. Während die Stadt also Industriegeschichte bietet, beschäftigen wir uns inzwischen eher mit einer anderen schottischen Spezialität: Crisps. So heißen hier nämlich Chips — und davon gibt es in Schottland und Irland gefühlt ungefähr 17.000 Sorten.
Lisa hat daraus mittlerweile eine richtige Urlaubsmission gemacht: In jedem Hafen müssen neue Crisps getestet werden. Heute fiel die Wahl auf „Bangers & Mash“-Geschmack. Also Kartoffelbrei mit Bratwurst als Chip. Man weiß dabei nie so genau, ob das genial oder einfach nur völlig verrückt ist. Wir werden heute Abend den Selbstversuch noch starten.
Danach ging es für uns in die Sport Arena auf dem Schiff. Während draußen der schottische Regen gegen die Fenster prasselte, wurde drinnen ordentlich Gas gegeben. Es wurde Fußball gespielt, Tischtennis gespielt und sogar die Kletterwand erobert. Henry testete inzwischen alles, was Rollen hatte – vom Roller bis zum Bobbycar. Und als hätte er nie etwas anderes gemacht, düste er geschniegelt durch die Halle, als wäre er schon seit Jahren Profi-Rennfahrer auf hoher See.
Besonders lustig war seine Frisur danach: eine Mischung aus „Ich hatte Spaß“ und „Ich wurde vom Nordseewind persönlich frisiert“.
Zwischendurch wurde natürlich auch fleißig gelaufen, balanciert und ausprobiert. Henry war überall gleichzeitig und hatte sichtbar Freude daran, die Sport Arena Zentimeter für Zentimeter zu erkunden.
Und weil so viel Bewegung bekanntlich hungrig macht, gab es später zur Stärkung noch leckere Chicken Legs. Henry nahm die Sache sehr ernst und prüfte das Hähnchen fachmännisch mit beiden Händen – schließlich muss man auf Kreuzfahrt ja auch die internationalen Spezialitäten testen.
Zum krönenden Abschluss des Tages ging es am Abend noch ins Theater. Dort gab es eine Vorführung mit Dudelsackspielern und traditionellen schottischen Tänzen.
Schon die ersten Töne des Dudelsacks sorgten bei uns für echtes Schottland-Gefühl. Henry war völlig fasziniert von der Musik, den bunten Kostümen und den schnellen Tänzen auf der Bühne. Er schaute aufmerksam zu, wippte begeistert mit und verfolgte alles mit großen Augen.
Damit endete ein Tag voller Bewegung, Spiel, schottischer Eindrücke und natürlich jeder Menge Spaß – genau so, wie man sich einen Urlaubstag auf der Reise durch Schottland vorstellt.
Definitiv brauchte unser Henry ein neues Deck-Armband. Das alte kämpfte inzwischen sichtbar um sein Leben und schneidet schon leicht ein. Die Kombination aus Kreuzfahrtbuffet, Chicken Legs, Crisps und täglichem „Ich probiere einfach alles“ hat also deutliche Spuren hinterlassen.
Wir vermuten inzwischen: Henry gehört offiziell nicht mehr zum Babyclub, sondern zur kulinarischen Elite der Mein Schiff 2.
Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, um Belfast zu erkunden. Schon die erste Taxifahrt war ein kleines Abenteuer, denn für uns ging es nun erstmals im Linksverkehr durch die Stadt. Mit dem kleinen Henry war das aber überhaupt kein Problem. Er wurde einfach sicher im Kinderwagen angeschnallt und direkt ins Taxi geschoben. Die Taxis hier sind wirklich riesig – da passt gefühlt ein halber Hausstand hinein.
Unser erster Stopp war das beeindruckende Titanic Belfast. Natürlich wollten wir unbedingt sehen, wo die berühmte Titanic gebaut wurde. Leider hatte Henry dazu seine ganz eigene Meinung: Kaum waren wir angekommen, schlief er tief und fest im Kinderwagen ein und verschlief praktisch das komplette Museum. Wahrscheinlich dachte er sich, dass Schiffe anschauen später auf der eigenen Kreuzfahrt reicht.  Trotz allem erhielt Henry ein Zertifikat zur erfolgreichen Abschluss der Familien Challenge im Museum. 
Nicht nur der kleine Henry ist müde
Danach ging es kreuz und quer zu Fuß durch Belfast. Wir liefen durch kleine Straßen, vorbei an alten Gebäuden, modernen Geschäften und natürlich jeder Menge Pubs. Dabei merkte man schnell, dass Belfast irgendwie eine ganz besondere Mischung aus Geschichte, rauem Charme und Herzlichkeit hat.
Gegen 13:30 Uhr legten wir schließlich eine wohlverdiente Mittagspause in einem original irischen Pub ein der zufällig Henry’s hieß. Dunkles Holz, gemütliche Atmosphäre, überall Musik und Menschen, die sich laut lachend unterhielten – genau so, wie man sich einen Irish Pub vorstellt. Während wir Erwachsenen die typisch irische Stimmung genossen, war Henry natürlich wieder hauptsächlich damit beschäftigt, alles genau zu beobachten und freundlich die Menschen um ihn herum anzulächeln.
Nach der ausgiebigen Mittagspause ging es weiter durch Belfast. Wir bummelten von einem Shop zum nächsten, liefen noch einmal quer durch die Innenstadt und sammelten weiter Eindrücke von der nordirischen Hauptstadt. Belfast ist wirklich ganz nett und interessant für einen Tagesausflug – aber ob man hier unbedingt einen kompletten Urlaub verbringen muss, das lassen wir einfach mal so stehen.
Gegen 17:30 Uhr waren wir wieder zurück auf dem Schiff. Für Henry ging es danach natürlich erst einmal zum Spielen, während Thomas und ich uns ganz gemütlich einen Tee gönnten und die Füße hochlegten. Immerhin hatten wir bis dahin schon rund 10 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Und dafür hat der kleine Henry das wirklich großartig gemacht. Kein Gemecker, keine schlechte Laune – er war den ganzen Tag neugierig, aufmerksam und einfach überall mit dabei.
Heute Abend werden Maik und Thomas dann noch ein Guinness trinken, bevor wir uns auch schon wieder von Belfast und damit von Northern Ireland verabschieden. Morgen wartet schon das nächste Abenteuer auf uns.
Liebe Grüße, Lisa, Maik, Henry, Thomas  und Michi