Hallo
Endlich Schottland – und fester Boden unter den Füßen



Das war vielleicht eine Nacht.
Anstatt dass der Sturm nachließ, wurde es draußen immer wilder. Das Schiff arbeitete sich tapfer durch die Nordsee, während es bis morgens um 4:30 Uhr ordentlich schaukelte. Erst dann war der Spuk plötzlich vorbei. Fast so, als hätte jemand den Sturm einfach ausgeschaltet.
Gegen 6 Uhr liefen wir schließlich in Invergordon in Schottland ein – und plötzlich war alles ganz ruhig. Kein Heulen mehr, kein Schwanken, keine gesperrten Außendecks. Stattdessen: frische schottische Luft und ein Hafen, der aussah, als hätte ihn jemand direkt aus einem Bilderbuch ausgeschnitten.
Und Schottland zeigte sich direkt von seiner freundlichen Seite.
Im Laufe des Vormittags wurde das Wetter immer besser und besser. Pünktlich zum Mittag hatten wir sogar strahlenden Sonnenschein. Nach der stürmischen Nacht fühlte sich das fast ein bisschen unwirklich an.
Direkt nach dem Frühstück machten wir uns zu Fuß auf den Weg in den kleinen Ort Invergordon. Wirklich groß ist der Ort nicht – ungefähr 4000 Einwohner leben hier. Wenn allerdings ein Kreuzfahrtschiff anlegt, verdoppelt sich die Einwohnerzahl vermutlich schlagartig. Man hat fast das Gefühl, dass plötzlich mehr Kameras, Regenjacken und Kreuzfahrt-Ausweise unterwegs sind als echte Schotten.



Invergordon selbst wirkt ruhig, gemütlich und irgendwie entschleunigt. Kleine Häuser, wenig Verkehr, freundliche Menschen und diese typisch schottische Atmosphäre zwischen Hafen, Highlands und einer guten Tasse Tee. Genau der richtige Ort, um nach einer stürmischen Nacht erst einmal wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.
Wir hatten uns übrigens schon im Vorfeld bewusst entschieden, in Invergordon zu bleiben und keinen großen Ausflug zu buchen. Natürlich lockt hier fast überall Werbung für Loch Ness und Nessie. Aber wenn man ehrlich ist: Über eine Stunde Busfahrt hin, dort etwas herumlaufen, vielleicht einmal auf den berühmten See schauen – und dann wieder über eine Stunde zurückfahren. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet wir Nessie treffen würden, dürfte ungefähr genauso hoch sein wie ruhige Nordsee bei Sturmwarnung.
Also blieben wir lieber entspannt im Ort.
Statt Monsterjagd stand bei uns eher die Jagd nach Souvenirs auf dem Programm. Die kleinen Geschäfte wurden gründlich durchstöbert und natürlich durfte für Henry eine kleine Nessie nicht fehlen. Ein schottisches Mitbringsel muss schließlich sein.





Thomas und Maik konzentrierten sich dagegen eher auf die kulinarischen Spezialitäten des Landes. Es gab Würstchen im Blätterteig, irgendwelche süßen Cremekringel und allerlei Dinge, bei denen man besser nicht zu genau nach den Kalorien fragt.
Doch damit nicht genug.
Plötzlich erklärten die beiden völlig ernsthaft Lisa und mir, dass sie „unbedingt noch einen Döner in Schottland testen müssten“. Rein wissenschaftlich natürlich. Man wolle schließlich herausfinden, ob ein schottischer Kebab genauso schmeckt wie zuhause.
Das Ergebnis der Studie: gegessen wurde auf jeden Fall alles.
Und Henry?
Henry musste selbstverständlich überall mitprobieren. Ob Cremekringel oder Döner – sobald irgendwo Essen auftauchte, war Henry sofort dabei. Dieser kleine Mann hat eindeutig beschlossen, dass Urlaub hauptsächlich aus Essen, Staunen und guter Laune besteht.





Besonders begeistert war er allerdings von den Möwen. Sobald irgendwo eine auftauchte, zeigte er sofort mit seinem kleinen Finger darauf und wollte unbedingt näher hin. Papa Maik hatte dabei mindestens genauso viel Spaß wie Henry.
Zum Glück hatte ich Maik bereits beim Frühstück überredet, ein Stück Brot mitzunehmen. Rein vorsorglich natürlich. Falls man „zufällig“ ein paar Möwen anlocken müsste. Und sagen wir mal so: Das Brot blieb nicht lange unangetastet.
Kurz nach 13 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Schiff.
Nach dem kleinen Spaziergang durch Invergordon, den Souvenirs, den Möwen und den ausgiebigen kulinarischen „Tests“ waren inzwischen alle ein wenig müde geworden.

Deshalb stand jetzt erst einmal das Wichtigste des Tages auf dem Programm: Mittagsschlaf.
Während draußen inzwischen die Sonne schien und Schottland sich plötzlich von seiner schönsten Seite zeigte, wurde es auf der Kabine erstaunlich ruhig. Selbst der kleine Henry, der vorher noch jede Möwe persönlich begrüßen wollte, brauchte nun dringend eine Pause.
Und ehrlich gesagt: Nach der stürmischen Nacht hatten sich nicht nur die Kleinen etwas Erholung verdient.
Am Nachmittag hatte Maik für Lisa noch eine kleine Überraschung organisiert. Er hatte ihr eine Massage gebucht. Muskelkater vom gestrigen Spinningkurs hatte sie zwar keinen, aber Maik war der Meinung, dass eine Massage auf einem Kreuzfahrtschiff. einfach immer eine gute Idee ist. Und ehrlich gesagt hatte er damit auch recht.
Während Lisa entspannt wurde, haben wir Drei uns um den kleinen Henry gekümmert. Erst ging es natürlich wieder etwas essen – Henry ist inzwischen vermutlich der jüngste Vielfraß der Nordsee – und danach noch ins Spielparadies. Dort konnte er sich austoben, lachen und alles erkunden. Für Henry ist hier wirklich jeder Tag ein kleines Abenteuer.
Bevor wir wieder zurück aufs Schiff gingen, versuchte sich Maik noch als Möwenflüsterer. Mit einem Stück Brot in der Hand stand er da, wedelte damit herum und hoffte, dass die Möwen mutig genug wären, ihm das Brot direkt aus der Hand zu fressen. Aber Fehlanzeige. Die schottischen Möwen schienen dafür entweder zu höflich oder einfach zu satt zu sein. Das funktioniert anscheinend nur bei uns zu Hause und nicht in Schottland.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir dann ganz schottisch beim Dartspielen. Allerdings nicht gemütlich in einem urigen Pub irgendwo in den Highlands, sondern natürlich ganz stilvoll mitten auf der Mein Schiff 2. Gefehlt hat eigentlich nur noch ein Dudelsackspieler neben der Dartscheibe.




Jetzt schauen wir uns gleich noch das Auslaufen an, bevor der Tag langsam endet. Morgen wartet wieder ein Seetag auf uns. Leider sind erneut höhere Wellen angekündigt. Die Nordsee scheint uns unbedingt zeigen zu wollen, dass sie nicht nur hübsch aussehen, sondern auch ordentlich schaukeln kann.
Aber auch das werden wir wieder gut überstehen, auch wenn Lisa darauf ehrlich gesagt nicht besonders viel Lust hat.
Wir melden uns dann wieder von Bord – wenn wir das Schaukeln überstanden haben.
Liebe Grüße, Lisa, Maik, Henry, Thomas und Michi















































































































