30.11.2025 – Erster Advent (Seetag)

Heute war Seetag, und wir haben uns richtig etwas gegönnt: bis 6:00 Uhr geschlafen. Auf unserer Kreuzfahrt ist das gefühlt schon ausschlafen deluxe. Danach ging’s gemütlich und ausgiebig frühstücken – ohne Eile, ohne Ziel, einfach mit Meerblick und Kaffee. Pünktlich zum 1. Advent hat sich das ganze Schiff in ein kleines schwimmendes Weihnachtswunderland verwandelt. Überall Lichter, Tannenzweige und glänzende Kugeln. Und das Beste: Es gibt Weihnachtsgebäck in allen möglichen Sorten – und ja, es schmeckt auch noch richtig gut. Advent mitten in der Karibik, eine merkwürdige Kombination, aber irgendwie super schön

Der Tag ging genau so weiter, wie er angefangen hat – wir haben gegessen. Und zwar alles, was nicht bei drei vom Buffet gesprungen ist: Wurst, Plätzchen, Currywurst, Eis, Entenkeule… Zur Beruhigung unseres Gewissens haben wir uns zwischendurch bewegt. Kurz. Sehr kurz. Einmal in den Pool (Thomas) danach sind wir in den Whirlpool. Anschließend lagen wir wieder im Bett, mit vollen Bäuchen und null schlechtem Gewissen. Faulenzen gehört schließlich auch zum Seetag-Programm. Am Abend gab es dann Bingo und einen Weihnachtsmarkt. Auf dem Außendeck ein Weihnachtsmarkt mitten in der Karibik, während das Schiff in Richtung Kolumbien fährt. Glühwein, warmes Wetter und gesungen wird Last Christmas.

Wir hoffen, Ihr hattet auch einen schönen 1 Advent.

 Liebe Grüße, Michi und Thomas

29. November – Kein Alkohol auf Roatan

Heute Früh war wieder 5:20 Uhr Schluss mit schlafen. Draußen noch dunkel. Auch hier ist das Leben nicht leicht, Armut, einfache Häuser, und die Kriminalität ist bekanntlich hoch. Zum Glück ist unser Ankerplatz eine kleine vorgelagerte Insel, die für uns Besucher als sicher gilt: Roatan.

Wir hatten unseren Ausflug schon vorab im Internet gebucht. Unsere Guide Micky, seit drei Jahren hier lebend, begrüßte uns herzlich. Wir wurden in die „Seepferdchengruppe“ eingeteilt – der Name allein macht schon gute Laune. Micky ist ziemlich witzig, verpeilt, verwechselt rechts und links und wundert sich, dass manchmal eine Attraktion oder eine Sightseeing-Attraktion nicht mehr da ist oder wir sie verpasst haben. Wir haben auf jeden Fall viel Spaß. Erster Stop war eine Auffangstation für Tiere. Faultiere aus nächster Nähe, Papageien auf dem Kopf und Äffchen, die fanden, dass wir ideal zum beklettern sind. Es war aufregend, ein bisschen chaotisch – und ich gebe zu: Ich hatte auch etwas Angst. Thomas? Natürlich nicht. Ein Gast meinte später, er hätte „Stressflecken“ bei mir entdeckt. Ein kleines Äffchen hat dann auch noch neugierig an Thomas’ Finger geknabbert. Alles harmlos – und wir sind ja gegen alles geimpft, was die Tropenmedizin so hergibt, auch gegen Tollwut. Weiter ging’s in ein kleines Dorf zum Mittagessen: Tortillas gefüllt mit Bohnen, Käse und Chicken – 2$ pro Portion. Ein Schnäppchen und richtig lecker. Zum Nachtisch ging es in ein Café, denn der Kaffee aus Honduras soll besonders gut sein. Der Cappuccino für 4 Dollar war tatsächlich ein Gedicht. Dazu gab’s Bananenchips, die wir auch gekauft haben – ob sie es bis nach Hause schaffen oder vorher schon von uns geknabbert werden, bleibt noch offen. Danach wartete ein Strand. Nicht der Schönste der Reise, aber zwei Stunden Pause taten gut. Baden, durchatmen, runterkommen. Das Meer hier war aber nicht sehr schön, es war schmutzig.

Während wir durch die Stadt fuhren regnete es leicht, und Micky erklärte uns, dass bei Trockenheit gerne mal Polizisten oder „Rollstuhlfahrer“ mitten auf der Straße stehen – nicht, um zu helfen, sondern um Geld zu verlangen. Ein Einblick in die lokale Korruption, der sich uns so schnell einprägen wird.

Am Strand gab es für uns sogar einen Monkey Lala – obwohl heute in Honduras eigentlich kein Alkohol ausgeschenkt oder verkauft werden darf, da an diesem Wochenende Wahlen stattfinden. Für Touristen wird auf Roatán jedoch gern mal eine kleine Ausnahme gemacht. Typisch

Monkey Lala – Originalrezept (für 1 großen Cocktail)

• 1 reife Banane (je cremiger, desto besser)

• 4 cl weißer Rum

• 2 cl Kahlúa (oder anderer Kaffeelikör)

• 2 cl Baileys (oder Sahnelikör)

• 2–3 cl Kokoscreme (z. B. Coco López)

• 6–8 Eiswürfel

• Ein Schuss Schokosirup für die Deko

Alles zusammen kräftig mixen.

Liebe Grüße, Michi und Thomas

28. November – Brüllaffen in Belize

Hallo

Heute sind wir in Belize angekommen, dem früheren Britisch Honduras. Für Thomas und mich ist es offiziell das erste Mal, dass wir Mittelamerika betreten – ein kleiner persönlicher Meilenstein.

Bevor es aber mit neuen Eindrücken losgeht, muss ich euch erst mein absolutes Lieblingsgericht zeigen: Linguine mit Garnelen. So gut, dass wir sie in den letzten sechs Tagen schon dreimal gegessen haben

Die Nacht selbst war eher laut als aufregend. Ein typisches Tropengewitter hat uns begleitet – viel Donner, ein paar Blitze, aber nichts Dramatisches. Um 6:00 Uhr lagen wir vor Belize vor Anker, weil das Wasser hier zu flach für die Mein Schiff ist. Empfangen wurden wir mit 28 Grad und Regen, und laut Vorhersage bleiben wir heute etwa 90 % des Tages nass. Mittelamerika begrüßte uns also nicht mit Postkartenwetter, aber dafür mit einer ordentlichen Portion Wasser  und tollen Farben

Unser Ausflug führte uns ins Landesinnere, zu den berühmten Brüllaffen. Kaum waren wir vom Tender an Land, kam auch die Sonne heraus. Perfektes Timing. Dann ging’s eine Stunde lang mit einem alten, ausrangierten Greyhound-Bus Richtung Dschungel. Man sieht schnell: Belize ist ein armes Land, aber die Menschen begegnen einem immer sehr nett. Gegen 10 Uhr erreichten wir das Reservat. Die Brüllaffen saßen in den Bäumen und machten ihrem Namen alle Ehre – laut, beeindruckend. Unser Guide führte uns sicher durch den Dschungel, zeigte uns Blattameisen, spannende Pflanzen und einen Cashewbaum. Probieren durften wir auch Cashewwein. Der Geschmack war… sagen wir mal „interessant“. Kaufen wollten wir ihn dort nicht, die mehrfach verwendeten Flaschen wirkten nicht sehr vertrauenerweckend. Beim anschließenden landestypischen Mittagessen gab’s Reis und Bohnen in Kokosmilch sowie Hähnchen. Lecker – und das absolute Highlight: eine echte Coca-Cola mit richtigem Zucker.

Unvergleichlich gut. Zurück in Belize City zeigte sich die Stadt wie ein alter Schatz: heruntergekommen, aber voller Charme. Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und versuchen sichtbar, das Beste aus den schwierigen Umständen zu machen. Natürlich gingen wir auch zu Brodies, dem berühmten Kaufhaus, von dem man sagt: „Wenn es das dort nicht gibt, braucht man es nicht.“ Und tatsächlich: Dort gab es Cashewwein in sauberen Flaschen – diesmal haben wir zugeschlagen. Auf dem Weg zum Hafen machten wir Halt in einer kleinen Kneipe, bestellten Nachos und ein eiskaltes Cola mit Blick auf den Fluss und die alte Drehbrücke – leider defekt, aber das Wahrzeichen der Stadt. Dann kam der lustigste Moment des Tages. Ich fragte, ob es eine Toilette gäbe. Die Kellnerin antwortete: „you need a bag.“ Kurze Zeit später drückte sie mir eine Handtasche in die Hand – darin Toilettenpapier, Seife und diverse Hygieneartikel. Die „Toilette“ war um die Ecke in einem Hinterhof, praktisch, aber alles andere als sauber. Im Anschluss war ich heilfroh über unsere Hygienetücher, die ich gründlich benutzt habe. Thomas grinste breit, als er mich mit dieser Tasche zurückkommen sah.

Am Ende war es ein wunderschöner Tag voller Eindrücke – herzlich, chaotisch, laut, warm und absolut unvergesslich. Belize hat Charakter und Herz. Für einen Tagesausflug: perfekt. Für einen längeren Urlaub: eher nicht unser Ziel, aber schön

Liebe Grüße, Michi und Thomas

27. November – Costa Maya

Heute Morgen wurden wir um 6:30 Uhr wach. Draußen war es noch duster, aber wir konnten schon Costa Maya erkennen – und hatten einen überraschend schönen Blick auf eine alte Maya-Stätte. Zehn Minuten später war die Romantik allerdings dahin. Neben uns legte ein so gigantisches Schiff an, dass wir praktisch vom Balkon aus in die Kabinen der Nachbarn schauen konnten. Man hätte ihnen fast einen guten Morgen wünschen können… oder zumindest Kaffee rüberreichen.

Frühstück war die sichere Flucht nach vorn. Danach wollten wir Costa Maya auf eigene Faust erkunden. Im Internet steht ja überall: Beach Clubs ohne Ende, richtig schön, voll entspannt. Also war das unser Plan. Blöd nur, dass wir vergessen hatten, einen Club vorab zu reservieren. Morgens nachholen? Fehlanzeige, aber nicht schlimm. Irgendwie war’s auch Glück. Mit dem Taxi ging’s erstmal zum Leuchtturm. Am Taxistand trafen wir sogar unsere Gruppe vom ersten Ausflugstag wieder – supernett, sie hätten uns mitgenommen. Aber wir hatten beschlossen, wir machen das heute alleine und „auf eigene Faust“. Der Leuchtturm war schnell fotografiert und dann ging es die Promenade entlang. Die Beach-Clubs ziehen sich wie eine endlose Reihe. Ein Club direkt am nächsten, überall Partymusik, überall Verkäufer, die wirklich alles verkaufen. Und die sind hartnäckig. „No thank you, no thank you, no thank you“ – irgendwann fühlt man sich wie eine schlecht programmierte Sprechpuppe. Wir kamen auch an dem Club vorbei, den wir uns im Internet ausgesucht hatten. Sah online traumhaft aus. Vor Ort… eher Kategorie „Schade drum“. Für 40 Dollar hätten wir zwar Liegen und Schirm bekommen und die 40 Dollar zum Verzehr nutzen können, aber die Atmosphäre war nichts für uns: laut, schmuddelig, vollgestopft. Dazu ab 9:20 Uhr schon Hitze wie im Backofen. Kurz gesagt: Stress pur, laut, voll, heiß.

Um 11 Uhr haben wir aufgegeben. Taxi zurück, bitte sofort. Selbst der Weg zurück zum Schiff ist ein Abenteuer. Man wird durch ein künstliches Dorf geschleust, Souvenirshop an Souvenirshop, überall lauter, bunter, größer – wie ein Freizeitpark. Am Ende war das Schönste des Tages das, was wir ursprünglich gar nicht geplant hatten: ein ruhiger Nachmittag an Bord. Die Pools herrlich leer, viel Platz, viel Ruhe. Wir haben immer gesagt, wir können nicht verstehen, warum man auf eine Kreuzfahrt geht und dann einfach auf dem Schiff bleibt, statt sich den Strand oder die Insel anzuschauen. Wirklich – jahrelang haben wir gerätselt, wie man das machen kann. Tja. Heute wissen wir’s. Wir waren nur am Vormittag unterwegs, haben Costa Maya tapfer erkundet und uns dann den restlichen Tag auf dem Schiff gegönnt. Und plötzlich ergibt alles Sinn: Manchmal ist das Schiff schlicht der schönere Ort. Ruhiger. Entspannter. Stressfrei. Und genau das haben wir heute gebraucht. Eine kleine Erkenntnis, die man wahrscheinlich erst versteht, wenn man einmal mitten im Touristen-Labyrinth stand und gemerkt hat, wie gut sich die eigene Kabine plötzlich anfühlt. Costa Maya auf eigene Faust? Sagen wir es so: Wir haben’s ausprobiert. Wir haben’s verstanden. Wir müssen’s nicht noch mal machen.

Liebe Grüße, Michi und Thomas

26. November 2025 Mittelamerika Cozumel Mexiko

Heute waren wir in Cozumel. Es war heiß. Es ist mittlerweile 17:30 Uhr und wir haben immer noch 28 Grad. Wir übertreiben nicht: Wir haben den ganzen Tag geschwitzt wie zwei Menschen in einer Sauna.

Wie fast jeden Tag auf dieser Reise waren wir bereits um 5:30 Uhr wach. Draußen war es noch stockdunkel, aber wir haben uns trotzdem das Einlaufen angesehen – pünktlich zum Sonnenaufgang. Kaum hatten wir festgemacht, kam die Star of the Seas, das derzeit größte Kreuzfahrtschiff der Welt, direkt hinterher. Dazu gibt es noch die Icon of the Seas, das Schwesterschiff. Beide gigantisch. Oben bunte Wasserrutschen, leuchtende Farben, pure Freizeitpark-Optik.

Und als wäre das nicht genug, lagen heute insgesamt sieben Schiffe im Hafen. Da könnte man meinen, Cozumel wäre völlig überfüllt. Im Gegenteil: Die meisten amerikanischen Gäste bleiben auf ihren Schiffen, weil diese Mega-Dampfer selbst Action genug bieten. Wir dagegen wollen raus, erleben, entdecken – also haben wir schon um 8 Uhr das Schiff verlassen und uns auf unsere Insel-Tour gemacht. Quer über die Insel – auf der einzigen Straße. Die Straßenbauweise hier ist ziemlich… speziell. Was heißt „die Straßen“ – es gibt eigentlich nur eine einzige Straße, die schnurgerade quer über die Insel führt und genau eine Kurve besitzt. Wir saßen zu zwölft in einem kleinen VW-Bus, der tapfer geradeaus fuhr wie auf Schienen. Rechts und links: Dschungel, Bäume, Büsche. Und sonst nichts.

Ab und zu eine Abzweigung mit einer Mini-Maya-Stätte, einem Leuchtturm, einem Fotostopp oder einem „Crocodile Spot“. Gegen 10:00 Uhr erreichten wir ein Naturschutzgebiet mit einem traumhaften Strand. Türkises Wasser, weißer Sand, perfekt. Zum Glück hatten wir uns früh am Morgen eingecremt, denn dort ist Sonnencreme verboten, um das Korallenriff zu schützen. Das Meer war herrlich – warm, klar und so angenehm, dass wir am liebsten dort geblieben wären. Zum Mittag gab es in einem kleinen Lokal Enchiladas, frisch und richtig lecker. Um 13:00 Uhr ging es zurück Richtung Hafen – wieder auf der Straße, wieder geradeaus. Unterbrochen von ein paar Fotostopps und weiteren Krokodilsichtungen. Im Bus wurde es inzwischen so heiß, dass die Sonne durch die Fenster direkt auf unsere Haut brannte. Aber wir haben den Tag ohne Sonnenbrand geschafft.

Zurückfahrt-Highlight: ein kleines Tequila Tasting, das wir ebenfalls unbeschadet überstanden haben. Um 15:30 Uhr waren wir wieder am Schiff. Thomas brachte unsere Badesachen zurück an Bord, während ich unten im Hafengebiet ein Souvenirgeschäft nach dem anderen abklapperte. Was sie hier in Cozumel hingebaut haben, ist wirklich verrückt: ein ganzer Souvenir-Komplex für amerikanische Gäste, die das Schiff meist nur zum Shoppen verlassen.

Uns hat Cozumel richtig, richtig gut gefallen: bunt, lebendig, überall etwas zu sehen und zu entdecken – eine Insel voller Farben und Lebensfreude.

Liebe Grüße, Michi und Thomas

Gute Nacht

25.11.2025, Mittelamerika, zweiter Seetag

Hallo

Heute haben wir tatsächlich ein bisschen besser geschlafen – nur dreimal wach in der Nacht. Auf dieser Kreuzfahrt gilt das fast schon als Wellnessprogramm. Bis 6:30 Uhr haben wir es im Bett ausgehalten, und weil heute Seetag ist, haben wir den Morgen direkt genutzt. Um 7:45 Uhr saßen wir schon im Whirlpool und haben uns von warmen Blubberblasen wachmassieren lassen. Danach gab’s Kaffee und Cappuccino auf dem Balkon. Ein perfekter Start in einen entspannten Tag auf dem Meer.

Nach einem lecker Lachsfrühstück stand erst mal Kultur auf dem Programm: Wir waren bei der Lektor-Lesung über Mexiko. Ein spannender Vorgeschmack auf die nächsten beiden Tage – voller Geschichten über Maya-Ruinen, scharfe Salsas und dieses ganz spezielle mexikanische Lebensgefühl. Danach gab’s zur Belohnung einen richtig guten Nussbecher.

Erst danach haben wir uns ins Zimmer verkrümelt – der gemütlichste Rückzugspunkt zwischen spätem Mittag und frühem Abend. Entspannen, Film schauen, quatschen, ein bisschen abschalten. Es tat gut, den Tag langsamer werden zu lassen.

Später wartet das Fischrestaurant auf uns, und danach Bingo. Bingo finden wir toll, ist ja auch irgendwie typisch für Kreuzfahrten.

Und noch ein Nachtrag zu den letzten zwei Tagen auf Jamaika: Die Insel hat bei uns einfach nicht gezündet. In unseren Köpfen war es immer bunt, laut, voller Reggae und Lebensfreude. In Wirklichkeit war es eher ruhig, wenig abwechslungsreich—und das lag nicht am Hurricane. Vielleicht sieht man Jamaika durch andere Augen, wenn man dort lebt. Oder wenn man, sagen wir… etwas entspannter unterwegs ist.

PS: Wir haben unterwegs erfahren, dass Shirts mit dem kiffenden Bob Marley glatt 10 Dollar mehr kosten – weil er eine Legende ist. Legendenaufschlag sozusagen.

Liebe Grüße, bis morgen dann aus Mexiko, Michi und Thomas

24.11.2025 Mittelamerika Montego Bay

Hallo

Heute hat uns der Wecker um 5:20 Uhr aus dem Bett geschubst.

Schon beim ersten Blick auf die Küste sah man deutlich, was Hurrikan Melissa hier vor drei Wochen angerichtet hat. Umgestürzte Bäume, zerstörte Dächer, Stromleitungen wie Spaghetti nach einem schlechten Date. Es macht traurig, das so aus nächster Nähe zu sehen.

Und gleichzeitig passiert etwas Seltsames: Dort, wo das Touristenschiff anlegt, ist alles picobello. Gehwege sauber, Strom da, alles sauber. Wir waren ehrlich gesagt ziemlich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite die Verwüstung, die Menschen, die kämpfen. Auf der anderen Seite dieser perfekt hergerichtete Bereich für uns Gäste. Eine doppelte Gefühlswelt – und man ertappt sich dabei, wie man glotzt. So wie bei einem Unfall: schrecklich… und trotzdem sieht man hin.

Um 8:45 Uhr trafen wir wieder unseren Guide Steven, er fuhr mit uns anderthalb Stunden nach Negril – und dann standen wir da, 12 Kilometer Sandstrand. Weiß. Breit. Wunderschön. Und leer. Also wirklich leer. So leer, dass man hätte denken können, jemand hätte Jamaika für uns reserviert. Normalerweise stehen hier Touristen, Hotels, Sonnenschirme – aber weil viele Reiseveranstalter ihre Touren nach dem Hurrikan gestrichen haben, waren wir die einzigen weit und breit. Unser Guide hat uns trotzdem ein kleines Paradies organisiert. Eine Strandbar mit Solarstrom, funktionierenden (!) Toiletten und einer winzigen Bar. Nichts Luxuriöses, aber liebevoll improvisiert – und genau das machte es schön.

Auf dem Weg dorthin kamen wir durch eine Stadt, in der Menschen für Wasser, Seife und Grundbedarf anstehen mussten. Das sitzt. So etwas sieht man nicht im Katalog unter „Karibik-Highlights“. Unser Guide wollte uns eigentlich die berühmten jamaikanischen Bananen zeigen – Kochen, Braten, Frittieren, alles dabei. Nur… es gab keine. Hurrikan Melissa hat die großen Stauden einfach umgelegt wie Dominosteine. Der Händler am Markt freute sich trotzdem riesig, dass wir Ananas und Muskatnuss gekauft haben. Man merkte richtig, wie viel es ihm bedeutet hat, dass Besucher überhaupt wieder da sind.

Am Strand selbst war die Freude über unseren Besuch richtig spürbar. Kein künstliches Touri-Lächeln – ehrliche Dankbarkeit, dass Leute zurückkommen, Geld dalassen und damit ein Stück Normalität mitbringen. Thomas hat mir eine Massage am Strand spendiert, so etwas wollte ich schon immer. Die Massage war richtig toll und ich habe es so genossen.

Am Ende bleibt ein Tag, der nachwirkt.

Wir haben heute so viel erlebt, dass es schwer ist, die Gefühle sauber voneinander zu trennen:

Schönheit und Zerstörung, Urlaubsfreude und Mitgefühl, Lachen und bedrückte Stille.

Vielleicht macht genau das diesen Tag so besonders.

Und trotzdem… oder gerade deshalb… bleiben Humor, Sonne und das Gefühl, dass auch kleine Besuche für die Menschen hier etwas bedeuten.

Ein Tag der bleibt – im Kopf und im Herzen.

Liebe Grüße, Michi und Thomas

23.11.2025 Mittelamerika – Jamaika

Hallo

Wir waren schon wieder viel zu früh wach. Der Jetlag hält sich hartnäckiger als so mancher Seetag-Cocktail. Doch dieses Mal hatte das frühe Aufwachen einen kleinen Zauber: Durch das dunkle Kabinenfenster konnten wir die ersten Lichter von Jamaika erkennen. Nur ein paar schimmernde Punkte an der Küste, aber genug, um zu wissen: Es gibt Strom.

Nach Hurrikan Melissa, der die Insel vor drei Wochen schwer erwischt hat, ist das keine Selbstverständlichkeit. Und die Mein Schiff legte heute zum ersten Mal wieder in Ocho Rios an – irgendwie fühlte es sich an, als wären wir Zeugen eines kleinen Neubeginns.

Da wir ohnehin wach waren, standen wir um 6:30 Uhr bereits beim Frühstück. Um 8:45 Uhr sollte unser Ausflug starten – und pünktlich wie wir Deutsche halt mal sind, waren wir um 8:30 Uhr am Treffpunkt.

Gebucht hatten wir eine Tour mit Steven, dem „weißen Rastaman“ – eine Art Internetlegende, wenn man sich so in den Reisegruppen umsieht. Die Organisation lief erstaunlich einfach: fünf Pärchen, ein kleiner Bus und eine Stimmung, als wäre man irgendwo zwischen Klassentreffen und Abenteuertruppe. Morgen sehen wir uns alle direkt wieder beim nächsten Ausflug.

Erster Stopp: die Dunn’s River Falls, der wohl berühmteste Wasserfall Jamaikas. Und hier kommt ein kleiner Service-Hinweis an unser zukünftiges Ich:

Wenn man einen Ausflug bucht, sollte man die Beschreibung vorher genau lesen. Am besten mehr als einmal.

Wir haben das gestern Abend getan – und mit leichter Schnappatmung festgestellt, dass man für diesen Ausflug Wasserschuhe braucht. Denn man steigt den Wasserfall tatsächlich hinauf, über 400 Meter.

Unsere Wasserschuhe? Natürlich zu Hause gelassen. Zum Glück gibt es auf dem Schiff einen Shop, der offenbar genau für solche Touristenfälle existiert.

Trotz Schuhe war mein Gedanke heute Morgen vor den Fällen etwa:

„Wie bitte? Hier sollen wir hoch?!“

Der Wasserfall startet direkt am Strand und zieht sich dann gut. 200 Meter steil den Felsen hinauf. Ich dachte, Steven meint das bildlich. Tat er aber nicht.

Auf mein „Meinst du das ernst?“ kam nur ein entspanntes „Yeah man.“

In Jamaika bedeutet das offenbar je nach Tonfall: „Ja, klar“, „Alles gut“, „Mach dir keine Sorgen“, oder auch „Da kommst du schon irgendwie hoch“.

Zum Glück gab es zusätzlich unseren Guide Oliver. Ich erklärte ihm meine leichte Panik – worauf er meinte:

„No worries, I hold your hand.“

Und Thomas bekam automatisch den Job für die andere Hand.

Was soll ich sagen?

Wir sind da wirklich zusammen hochgestiegen. Wasser im Gesicht, Felsen unter den Füßen, zehn Menschen Hand in Hand, manchmal wie eine Kette aus Pinguinen mit nassen Knien.

Und statt Angst hatten wir… überraschend viel Spaß.

Eigentlich war es sogar wunderschön – dieses Klettern, Lachen, Rutschen, das gemeinsame „Wir schaffen das“, der Blick zurück auf das türkisfarbene Wasser unten.

So wurden aus Bedenken ein echter Jamaika-Moment, den wir so schnell nicht vergessen.

Nach dem Wasserfall führte uns Steven in den „Second Floor Market“. Der Name versprach etwas Größeres, doch eigentlich waren es drei Stände, die ein bisschen so aussahen, als hätte der Hurrikan ihnen erst gestern die Dächer weggepustet. Manche Früchte waren überreif, andere für unsere Begriffe eher noch unreif. Aber es wurde verkauft, was da war – denn viel gibt es im Moment einfach nicht.

Man merkt überall, wie teuer alles geworden ist und wie viel zerstört wurde. Also kauft man eben, was die Menschen anbieten.

Holzgeschnitzte, knallbunt bemalte Schildkröten zum Beispiel. Viel zu teuer. Aber sie hießen „Thomas“, wenn man sich in einem Gespräch mit dem Verkäufer verwickeln lässt. Was will man da machen?

Es ist dieses Gefühl von Mitgefühl und Respekt, das einen hier begleiten sollte. Der Tourismus ist überlebenswichtig – und wir möchten unseren Teil beitragen. Also haben wir uns durch den Mini-Markt probiert: gezuckerte Nüsse, eine grüne Orange, die überraschend lecker war, und eine fantastische Ananas, frisch, süß und duftend.

Danach ging es den Berg hinauf ins Hinterland. Je höher wir fuhren, desto deutlicher sah man, was Hurrikan Melissa angerichtet hat. Ausgerissene Bäume, abgerissene Äste, zerstörte Anlagen – Natur in einer Mischung aus Kraft und Verletzbarkeit. Es bedrückt und beeindruckt gleichzeitig. Oben angekommen wartete eine kleine Bar. Der Blick war schön – aber die Rum-and-Cola-Preise eher Kategorie „Karibik-Luxus“. Dafür gab es eine Toilette, die man nutzen konnte. Konnte… so halb. Die Spülung funktionierte nämlich noch nicht. Hurrikanfolgen.

Bevor es zurück ging, hielten wir noch an einem wunderbaren Aussichtspunkt. Türkis, Palmen, Hügel – die ganze Jamaika-Postkartenpracht.

Dann brachte uns Steven zurück zur Mein Schiff, wir legten schnell unsere Sachen ab, gönnten uns etwas zu essen und machten uns direkt wieder auf den Weg. Es war gerade erst 15:00 Uhr, viel zu früh, um einfach aufs Schiff zurückzukehren.Wir liefen in die Stadt, schlenderten ein bisschen, kauften ein paar Kleinigkeiten und tranken auf dem Rückweg noch jeweils eine frische Kokosnuss. Eisgekühlt, aromatisch, perfekt.Ein runder Tag. Warm, bunt, anstrengend und irgendwie echt.

Morgen geht es nach Montego Bay – wieder mit Steven. Er erzählte uns heute allerdings, dass Montego Bay viel schwerer vom Hurrikan getroffen wurde. Der Sturm kam dort direkt an Land, Strom gibt es vielerorts bis heute nicht. Nur Solarenergie hält ein paar Ecken am Leben. Steven sagte, es sei ihm wichtig, dass wir trotzdem kommen. Dass wir hingehen, sehen, zuhören – und auch mit kleinen Dingen unterstützen. Manchmal reicht eine Cola. Und das machen wir morgen auf jeden Fall.

Zur Klarstellung: Wir haben zwei Stopps auf Jamaika – Ocho Rios heute, Montego Bay morgen. Usain Bolt haben wir übrigens nicht getroffen, dafür aber sehr viel Reggae gehört. Und ja: Jamaika fühlt sich wirklich so an, wie Bob Marley klingt. Der Duft von Hanf liegt fast überall in der Luft. Offiziell ist das Rauchen an öffentlichen Plätzen verboten, besonders Gras. Aber so ist das manchmal mit den Regeln. Übrigens: Rastafari-Männer dürfen weder Zigaretten rauchen noch Rum trinken. Außer Gras, das dürfen sie rauchen, da es ein homöopathisches Medikament ist. Ihre langen Haare tragen sie, weil sie glauben, dass alles, was der Körper produziert, nicht abgeschnitten werden darf. So hat Steven es erklärt – und es klingt nach einer dieser Inselphilosophien, die man am besten bei Reggae und Sonnenuntergang versteht. Yeah man.

Bis morgen, liebe Grüße, Michi und Thomas

Mittelamerika, 22.11.2025 Seetag Nr 1

Hallo

Oh, wir haben uns durch die Nacht gequält, wir sind in der Zeit 5 Stunden zurück. Als wir am gestrigen Abend um 21:00 Uhr ins Bett gingen, war es ja zu Hause schon 2:00 Uhr morgens. Wir waren echt müde und hatten den Schlaf schon irgendwie übergangen. Wir sind trotz all dem gut eingeschlafen, bis heute Morgen um 0:30 Uhr, zu Hause wäre es dann 5:30 Uhr und wir waren fit. Aufstehen keine Option, wir haben uns im Bett von Rechts nach Links gedreht und sind dann 6:20 Uhr aus dem Bett gestiegen. (zu Hause 11.20 Uhr). Das Gute an der Sache war, dass wir den Sonnenaufgang gesehen haben, nicht spektakulär, aber ein Sonnenaufgang auf dem Balkon im Bademantel bei 27 Grad mit einem Kaffee in der Hand.

Ein wirklich schöner Start in den Tag. Um 8:30 Uhr ging es zum Frühstück auf dem Deck im Freien, herrlich und kaum Leute da. Meine Idee war sofort: das Schiff ist bestimmt nicht voll. Nach dem gemütlichen Frühstück schlenderten wir auf dem Deck und suchten uns ein Plätzchen im Schatten zum weiteren ausspannen. Dann bemerken wir eine Uhr, auf der es noch eine Stunde früher war. Es war also erst 8:00 Uhr, und wir waren schon fertig mit dem Frühstück, haben wohl eine Zeitverschiebung von sechs Stunden, hatten es nicht bemerkt, dachten, es wären fünf. Ein guter Grund, wieder ins Bett zu gehen und unseren Schlaf fortzusetzen…

Übrigens haben wir den ganzen Tag nur mit Faulenze, Essen, Faulenzen, Essen und Faulenzen verbracht und zwischendurch ein kurzes Schläfchrn. Wir freuen uns auf morgen auf Jamaika und sind gespannt, was uns dort erwartet, wie es nach dem Hurricane dort aussieht.

Liebe Grüße, Michi und Thomas

Mittelamerika, 21.11.2025 Flug nach La Romana

Hallo

Der heutige Tag begann ganz pünktlich. Unser Wecker klingelt um fünf Uhr und wir verließen wie geplant um 6:00 Uhr das Haus Wir waren pünktlich am Flughafen. Waren pünktlich am Check in, kamen überall gut durch und hatten noch 45 Minuten Zeit, um in der Business Lounge am Frankfurter Flughafen zu Frühstücken und wir waren im Anschluss pünktlich beim Boarding. Aber dann saßen wir im Flieger und mussten warten. Warten und warten, aufgrund der Kälte waren die Tragflächen vereist und unser Flieger musste warten, bis er an der Reihe war. Nach 45 Minuten endlich an der Reihe, stellte der Pilot fest, dass sie jetzt von alleine durch die Sonne enteist waren. Wir sind mit 1,5 Stunden Verspätung gestartet, werden aber pünktlich dort sein. Die Flugzeit beträgt gute neun Stunden, da wir Rückenwind haben, sind wir etwas schneller und damit fast wieder pünktlich. Wir wurden in der Business Class total herzlich begrüßt. Auf dem Monitor stand „Guten Morgen Krümelmonster, guten Morgen Kuschelmonster, guten Morgen Sonnenschein“, einfach süß.

Thomas sah sich gleich das Entertainment-Programm an und stieß auf dem Film „Endlich Witwer“, er meinte schmunzelnd, den wird er sich ansehen. Wenn er so weiter macht, wird er einen super tollen Urlaub haben.

Nach einer Stunde Flug kam auch schon unser Mittagessen. War richtig lecker und eine große Auswahl.

Bevor wieder jemand frägt, ja, das haben wir alles gegessen 🙂

Am Nachmittag gab es Tiramisu-Eis und Kaffee. Wir haben einen Film angeschaut und Thomas machte ein Mittagsschläfchen. Turbulenzen hatten wir auch ein wenig und kaum Angst. In der Buisness Class bekommt man einen 3-Punkt-Gurt und nicht nur einen Beckengurt, das verleiht Sicherheit.

Gegen 16:30 Uhr waren wir endlich auf dem Schiff. Danach gab es nur noch die Sicherheitseinweisung und etwas zu essen, da wir ja heute noch nicht genug hatten

Dann ging es auch schon ins Bett. Morgen haben wir einen Seetag, so richtig zum runterkommen.

Liebe Grüße, bis bald, Michi und Thomas