1. August 2026 – Museen, Ebbelwoi und müde Füße

Heute sollten die Museen im Mittelpunkt stehen. Zumindest war das der Plan. Und weil wir tatsächlich alle gut geschlafen hatten, starteten wir zunächst erstaunlich ausgeruht in den Tag. Um 8:20 Uhr trafen wir uns, denn im Hotel wollten wir heute nicht frühstücken. Stattdessen sollte es mit Bus und Bahn in die Frankfurter Innenstadt gehen. Ganz so frisch, wie wir uns nach der Nacht zunächst fühlten, waren wir allerdings doch nicht. Schon ziemlich früh meldeten sich unsere Beine und Füße und erinnerten uns sehr deutlich daran, wie viele Kilometer wir am Vortag zurückgelegt hatten. Offenbar hatte sich der gestrige Tag nicht einfach über Nacht aus unseren Körpern verabschiedet. Unser erstes Ziel war die Kleinmarkthalle. Dort sollte es ein Café geben, in dem man gemütlich sitzen, frühstücken und gleichzeitig das bunte Treiben in der Halle beobachten konnte. Das klang sehr schön – theoretisch jedenfalls. Wir schlenderten durch die Markthalle, bestaunten die vielen Stände und fanden tatsächlich auch das besagte Café. Allerdings standen wir dort vor verschlossenen Türen: Betriebsferien. Ausgerechnet jetzt. Also verließen wir die Halle wieder und machten uns im Regen auf die Suche nach einer Alternative. Der Morgen war überraschend frisch, und so waren wir froh, als wir schließlich ein anderes Café fanden. Dort konnten wir uns endlich hinsetzen und ganz in Ruhe frühstücken. Manchmal findet man eben genau das Café, das man sucht – und darf dann trotzdem nicht hinein. Anschließend ging es weiter ins Struwwelpeter-Museum. Wir waren überrascht, wie interessant dieses Museum war und wie viel es dort zu entdecken gab. Gleich zu Beginn erzählte uns ein Mitarbeiter einiges über den Autor Heinrich Hoffmann, sein Anliegen und darüber, wie der Struwwelpeter überhaupt entstanden ist. Natürlich überlegten wir auch, ob wir unseren Enkeln ein Bilderbuch mitbringen sollten. Doch so, wie wir unsere Kinder kennen, würden sie den klassischen Struwwelpeter vermutlich nicht unbedingt als pädagogisch wertvolle Gute-Nacht-Lektüre betrachten. Dabei gibt es inzwischen wirklich die unterschiedlichsten Fassungen und Parodien – sogar politische Versionen, beispielsweise mit Adolf Hitler. Der Struwwelpeter hat offenbar deutlich mehr erlebt, als wir bisher geahnt hatten.

Reiner kannte die Geschichten nicht ganz so gut und nahm sich deshalb besonders viel Zeit zum Lesen. Vielleicht war das aber auch eine durchaus geschickte Tarnung für eine kleine Erholungspause. Der gestrige Tag steckte uns nämlich allen noch ziemlich in den Knochen. Reiner und Thomas fanden jedenfalls einen schnuckeligen Sitzplatz und wirkten dort ausgesprochen zufrieden. Im Museumsshop fanden wir dann doch noch ein Buch für unsere Enkel: Der Nasenboris und weitere kuriose Kurzgeschichten“. Es ist so etwas wie ein moderner Verwandter des Struwwelpeters. In lustigen Reimen geht es um heutige kleine und große Untugenden – vom Nasebohren bis zur ständigen Handynutzung. Deutlich zeitgemäßer als das Original, ein bisschen frech und vermutlich genau deshalb für uns unwiderstehlich.

Nach dem Shoppen ging es weiter Richtung Main. Wir wollten nach Sachsenhausen und mussten dafür zunächst den Eisernen Steg überqueren.Schon von der Brücke aus sahen wir, dass am Main ordentlich etwas los war: Es war schließlich Mainfest. Zwischen Buden, Fahrgeschäften und dem typischen Duft eines Volksfestes entdeckten wir ein ganz besonderes Karussell mit dem passenden Namen „Schoppendreher“. Dort konnte man ganz gemütlich und sehr langsam im Kreis fahren und dabei Ebbelwoi trinken. Ein Karussell, bei dem nicht die Geschwindigkeit, sondern das Getränk im Mittelpunkt steht – viel mehr Frankfurt geht eigentlich kaum. Also tranken wir gegen zwölf Uhr unseren ersten Ebbelwoi des Tages. Man muss schließlich auch die regionalen Traditionen unterstützen. Und falls uns vom Drehen ein wenig schwindelig wurde, ließ sich im Nachhinein sowieso nicht mehr eindeutig feststellen, ob das am Karussell oder am Ebbelwoi lag. Danach ging es weiter nach Sachsenhausen. Dort stöberten wir durch zwei Plattenläden, bevor wir in einem typischen Apfelweinlokal Mittagspause machten. Wir probierten Handkäse und außerdem ein Gericht namens Schneegestöber – eine Art angemachter Camembert. Man kann schließlich nicht nur kulturell, sondern muss gelegentlich auch kulinarisch mutig sein. Natürlich gab es zum Mittagessen wieder einen Ebbelwoi. Der schmeckte zwar gut, trug aber nicht gerade dazu bei, unsere ohnehin vorhandene Müdigkeit zu vertreiben. Im Gegenteil: Nach dem Essen und dem zweiten Apfelwein des Tages hätte vermutlich jeder von uns problemlos ein kleines Nickerchen direkt am Tisch machen können. Besonders Reiner war nun sehr müde. Ehrlicherweise waren wir aber alle nicht mehr ganz taufrisch. Schon um die Mittagszeit zeigte der Schrittzähler erneut rund 10.000 Schritte an. Und da der gestrige Tag ebenfalls noch deutlich in unseren Beinen steckte, beschlossen wir kurzerhand, zurück ins Hotel zu fahren und eine längere Pause einzulegen. Das erwies sich allerdings als komplizierter als gedacht. Mehrere U-Bahnen fielen aus – teilweise wegen Bauarbeiten, teilweise, weil sich Menschen auf den Gleisen befanden, und vermutlich gab es noch einige weitere Gründe, die wir irgendwann nicht mehr vollständig nachvollziehen konnten. Nachdem wir eine ganze Weile gewartet hatten, gaben wir auf und bestellten uns einen Uber. Die Fahrt zurück war ausgesprochen unterhaltsam. Unser Fahrer schaute zwischendurch auf YouTube Nachrichten – während der Fahrt. Das war zwar informativ, aber nicht unbedingt das Unterhaltungsprogramm, das wir uns für eine Taxifahrt ausgesucht hätten. Doch wir kamen wohlbehalten im Hotel an. Und damit war klar: Jetzt brauchten wir erst einmal Ruhe. Schließlich war der Tag noch nicht vorbei – und weitere Museen warteten bereits auf uns.

Doch zu weiteren Museen kam es an diesem Tag nicht mehr. Unsere Pause fiel offenbar etwas gründlicher aus als geplant, denn erst gegen 17 Uhr waren wir wieder startklar. Statt noch ein straffes Kulturprogramm durchzuziehen, fuhren wir einfach zurück in die Innenstadt und bummelten durch das viel zu volle Frankfurt. Es war unglaublich, wie viele Menschen an einem Samstag in der Stadt unterwegs waren. Gefühlt hatte sich ganz Frankfurt gleichzeitig dazu entschlossen, durch dieselben Straßen zu laufen wie wir. Gemütliches Schlendern war also nur bedingt möglich – eher ein gemeinsames Vorwärtsschieben in großer Gesellschaft. Für 19 Uhr hatten wir einen Tisch im Longobardi’s reserviert, einem kleinen italienischen Restaurant am Main. Und das Essen war wieder einmal richtig lecker. Überhaupt hatten wir während der ganzen Tage mit unserem Schlemmerblock ausgesprochen gutes Glück: Egal, wo wir einkehrten, wir haben immer hervorragend gegessen. Unser Frankfurt-Urlaub entwickelte sich damit nebenbei auch zu einer kleinen kulinarischen Rundreise. Nach dem Essen liefen wir direkt am Main entlang zurück zum Mainfest. Was für ein Trubel! Überall blinkten bunte Lichter, die Fahrgeschäfte drehten ihre Runden, Musik kam aus allen Richtungen und in der Luft lag dieser typische Rummelduft nach gebrannten Mandeln, Popcorn und allerlei anderen Dingen, denen man eigentlich kaum widerstehen kann. Mitten in diesem Gewimmel fanden wir tatsächlich noch einen freien Tisch. Dort tranken wir ein Weizenradler und probierten ein Mispelchen, einen typischen Frankfurter Absacker: ein kleines Glas Calvados beziehungsweise Apfelbrand mit einer eingelegten Mispelfrucht. Klein, fruchtig, etwas stärker als erwartet – aber sehr lecker. Wir saßen mitten im Trubel, beobachteten die Menschen und genossen die besondere Atmosphäre am Main. Um uns herum blinkte, duftete und lärmte es, und trotzdem war es ein schöner Abschluss für diesen Tag. Manchmal braucht es eben gar kein weiteres Museum. Ein Tisch mitten auf dem Mainfest, gute Gesellschaft und ein Mispelchen können schließlich ebenfalls sehr lehrreich sein. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Am Ende standen wieder gut 20.000 Schritte auf unseren Anzeigen. Unsere Beine und Füße ließen keinen Zweifel daran, dass sie jeden einzelnen davon mitgezählt hatten. Wir hatten viel gesehen, hervorragend gegessen, Frankfurter Spezialitäten probiert und wieder einmal deutlich mehr Kilometer zurückgelegt als ursprünglich geplant. Nun wollten wir eigentlich nur noch ins Bett – und hofften, dass unsere Füße uns bis zum nächsten Morgen verzeihen würden.

Liebe Grüße Michi, Thomas, Sabine und Reiner

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