Thomas und ich waren bereits gegen halb sechs wach. Nicht etwa, weil wir im Urlaub besonders unternehmungslustig sind – das ist einfach unsere ganz normale Aufstehzeit von zu Hause. Unsere innere Uhr kennt offenbar auch im Urlaub keine freien Tage.
In der Hotelbeschreibung war ein „außergewöhnliches Frühstück“ angekündigt worden. Und außergewöhnlich war es tatsächlich: Irgendwann zwischen halb sieben und sieben hing plötzlich eine Tüte an unserer Zimmertür. Darin befanden sich zwei Schokocroissants, zwei Laugenbrezeln mit ganz viel Käse und zwei Laugenstangen.
Während Sabine und Rainer noch etwas in ihren Betten schlummerten, saßen Thomas und ich bereits gegen sieben Uhr ganz gemütlich mit unserem Kaffee und dem Frühstücksgebäck auf der Bank vor dem Hotel. Die Schokocroissants waren übrigens richtig lecker. So konnte der Tag beginnen.
Lange dauerte es allerdings nicht, bis auch Sabine und Reiner auftauchten. Danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg – allerdings noch nicht direkt zur Stadterkundung. Schließlich hatten wir im Restaurant Francis im Holiday Inn noch ein richtiges Frühstück gebucht. Und was gebucht ist, wird gegessen. Wir sind da sehr zuverlässig.
Das Frühstück war wirklich toll. Die Brötchen waren lecker, der Kaffee war klasse und es gab sogar eine Eierstation, an der nahezu jeder Eierwunsch erfüllt wurde: Rührei, Spiegelei, Spiegelei ohne Dotter, pochierte Eier und noch einiges mehr.
Sabine nutzte außerdem gleich die Gelegenheit, bereits zum Frühstück eine Frankfurter Spezialität zu probieren: Handkäse. Damit ist sie eindeutig mutiger als ich. Für mich geht Handkäse nämlich überhaupt nicht – weder zum Frühstück noch zum Abendessen. Eigentlich zu keiner Tageszeit. Geht gar nicht.
Mit entsprechend gut gefüllten Bäuchen machten wir uns anschließend auf den Weg zum Main. Dort wartete unser nächster Programmpunkt: eine einstündige Panoramafahrt. Ganz bequem ließen wir uns die Frankfurter Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus zeigen und bekamen nebenbei auch noch alles erklärt. So erfuhren wir tatsächlich das eine oder andere Neue. Urlaub und Bildung in einem – wir waren heute ausgesprochen vorbildlich unterwegs.
Da es draußen ziemlich heiß war, bestellten wir uns auf dem Schiff noch einen alkoholfreies Radler. Nicht etwa aus Vergnügen, sondern selbstverständlich ausschließlich wegen der Elektrolyte. Wir achten schließlich gewissenhaft auf unsere Gesundheit.
Nach der Schifffahrt liefen wir weiter in die Frankfurter Altstadt zum Roten Haus, einem alten Frankfurter Lokal, in dem es Bratwürste und typische Frankfurter Spezialitäten gibt. Wir entschieden uns für Kartoffeln mit Frankfurter Grüner Soße. Schließlich muss man die örtlichen Spezialitäten wenigstens einmal probiert haben.
Mein persönliches Lieblingsgericht wird die Grüne Soße vermutlich nicht mehr. Aber wir haben tapfer aufgegessen. Das gehört sich so, wenn man im Urlaub kulinarische Forschungsarbeit betreibt.
Danach ging es noch ein kleines Stück durch Frankfurt, bevor wir mit der Bahn zurück zum Hotel fuhren. Von halb vier bis kurz vor fünf lagen wir auf unseren Betten und gönnten unseren Füßen eine wohlverdiente Pause. Mehr als 10.000 Schritte hatten wir bereits geschafft – und der Tag war noch lange nicht vorbei.












Gegen 17 Uhr waren wir nach unserer Pause wieder einigermaßen fit und bereit für die nächste Runde. Nun stand die Stadtführung „Bahnhofsviertel FFM – Rotlicht, Lifestyle & Vielfalt“ auf dem Programm. Eigentlich wollten wir ganz bequem mit Bus und Bahn zum Treffpunkt fahren. Allerdings verpassten wir zuerst den Bus vom Hotel zum Bahnhof und mussten deshalb schon einmal das erste Stück laufen. Anschließend hatte auch noch der Zug Verspätung. Zum Glück haben wir mit Thomas einen echten Fachmann für Fahrpläne und öffentliche Verkehrsmittel dabei. Er führte uns sicher durch das Frankfurter Verkehrschaos, und trotz aller Hindernisse standen wir pünktlich um 18 Uhr am Treffpunkt. Knapp, aber pünktlich – und nur das zählt. Die Führung begann zunächst etwas schleppend, wurde dann aber immer interessanter. Wir waren eine Gruppe von ungefähr 30 Personen und liefen gemeinsam durch das Bahnhofs- und Rotlichtviertel. Vom früheren Rotlichtmilieu ist offenbar gar nicht mehr so viel übrig. Peep-Shows werden heute kaum noch gebraucht – das Internet hat schließlich auch vor dieser Branche nicht haltgemacht. Umso erschreckender war die offene Drogenszene. Wir kamen an Hilfseinrichtungen und Straßen vorbei, auf denen suchtkranke Menschen saßen. Das zu sehen, war beklemmend und machte uns traurig. Gleichzeitig stellte niemand eine Gefahr für uns dar: Wir wurden weder angesprochen noch belästigt. Trotzdem blieb ein ungutes Gefühl zurück. Die Führung war interessant und zeigte uns eine Seite Frankfurts, die man bei einer normalen Besichtigung vermutlich nicht kennenlernen würde. Dabei war es immer noch unglaublich heiß. Wir schwitzten wirklich schlimm und waren zwischenzeitlich mehr oder weniger durchgehend nass. Immerhin konnten wir uns noch selbst riechen – ein gutes Zeichen dafür, dass noch nicht alles verloren war. Danach wollten wir erst einmal etwas essen. Natürlich hatten wir auch das Lokal bereits im Voraus gebucht. Mittlerweile halten wir uns für ziemlich erfahren im Frankfurter Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Verkehr. Deshalb war es selbstverständlich auch überhaupt kein Problem, dass wir zunächst zum falschen Restaurant fuhren. Es gibt nämlich zwei Lokale mit demselben Namen – eine Information, die uns erst vor Ort wirklich weiterhalf. Selbst unser Fahrplanexperte Thomas konnte schließlich nicht wissen, dass Frankfurt gleich zwei gleichnamige Restaurants für uns bereithält. Aber auch diese kleine Zusatzrunde meisterten wir, und gegen halb neun saßen wir tatsächlich pünktlich im richtigen Lokal. Das Abendessen war total lecker und gab uns noch einmal etwas Kraft für den letzten Programmpunkt des Tages. Obwohl wir inzwischen schon ziemlich müde waren, ging es um 22:30 Uhr zur zweiten Führung: „Der alptraumhafte Sandmann – Interaktives Horror-Theater trifft Stadtführung“.Als wir am Treffpunkt ankamen, gruselten wir uns tatsächlich schon ein wenig. Dort stand ein Mann mit einer unheimlichen Maske – und außer uns vieren war niemand da. Wir hatten zwar mit einer Gruselführung gerechnet, aber eine private Begegnung mit einem maskierten Sandmann war dann doch etwas anderes. Der Sandmann sprach vom Teufel, vom Tod, von seiner Oma und zwischendurch auch davon, wie er uns töten wollte. Das war schon ziemlich spooky. Gleichzeitig führte er uns zu vielen interessanten Stellen in Frankfurt und erzählte auf seine ganz eigene, schräge Art von der Stadt. Wegen des Mainfestes konnten wir leider nicht überall entlanggehen, doch das tat der Führung keinen Abbruch. Gegen halb zwölf war das Programm schließlich beendet und wir machten uns auf den Rückweg zum Hotel. Dort kamen vier ziemlich erschöpfte, völlig verschwitzte, aber um viele Eindrücke reichere Frankfurt-Entdecker an.
Am Ende des Tages standen mehr als 20.000 Schritte, insgesamt drei Duschen und die Erkenntnis, dass es gestern wirklich unglaublich heiß gewesen war. Wir hatten so viel geschwitzt, dass die dritte Dusche nicht mehr nach Luxus klang, sondern nach einer hygienischen Notwendigkeit. Jetzt sehnten wir uns nur noch nach unseren Betten. Selbst unsere innere Uhr dürfte verstanden haben, dass sie uns am nächsten Morgen besser ein paar Minuten länger schlafen lässt.






Liebe Grüße Thomas, Michi, Sabine und Reiner