Heute war schon unser zweiter Seetag — und die Nordsee blieb weiterhin ihrer wilden Stimmung treu. Das Schiff schaukelte immer noch ordentlich, aber langsam gewöhnt man sich tatsächlich daran. Oder man läuft inzwischen einfach automatisch etwas breiterbeinig durch die Gänge.
Lisa hat das mit dem Seegang wirklich richtig gut gemacht. Auch wenn sie auf die hohen Wellen gut hätte verzichten können, hat sie tapfer durchgehalten und sich den Urlaub nicht verderben lassen.
Der kleine Henry startete heute Morgen dagegen mit Zahnweh in den Tag. Oben kommen tatsächlich gleich vier Zähnchen auf einmal durch. Das tat ihm zeitweise schon ziemlich weh und sorgte für etwas mehr Kuschelbedarf. Am Essen hinderte ihn das selbstverständlich überhaupt nicht. Henry bleibt sich treu: Essen geht einfach immer.



Und heute gab es sogar ein besonderes Highlight für ihn: Henry bekam am Nachmittag sein erstes Eis. Anfangs wurde noch vorsichtig probiert und skeptisch geschaut, aber das hielt nicht lange an. Danach war schnell klar: Eis ist eine hervorragende Erfindung. Entsprechend begeistert wurde weitergeschleckt — sehr zur Freude aller Zuschauer.
Eigentlich hätte Lisa heute Mittag gerne Shuffleboard gespielt, aber daraus wurde leider nichts. Wegen des Wetters waren die Außenbereiche teilweise gesperrt. Die Nordsee hatte heute eindeutig andere Pläne.
Zum Glück zeigte sich gestern Nachmittag das Wetter dafür noch einmal von seiner schönen Seite. Plötzlich kam die Sonne heraus und wir saßen zu viert gemütlich auf unserem Balkon, quatschten, spielten und genossen einfach mal die ruhige Zeit zusammen. Solche Momente sind auf einer Reise oft fast schöner als jeder Ausflug.
Und Henry? Der fand den Balkon natürlich großartig. Von Höhenangst keine Spur. Im Gegenteil — er beobachtete neugierig das Wasser, die Wellen und alles, was draußen vorbeizog. Hauptsache, es gab etwas zu entdecken. Und wenn zwischendurch noch jemand Quatsch mit ihm machte, war die Welt sowieso perfekt.



Thomas und ich, Michi, besuchten außerdem wieder die Lektor-Lesungen an Bord. Das gefällt uns wirklich gut. Man bekommt interessante Informationen über die Reiseziele und gleichzeitig sitzt man gemütlich im Warmen, während draußen Wind und Wellen arbeiten.

Am Abend versuchten Thomas und ich dann noch unser Glück beim Bingo. Voller Hoffnung saßen wir mit unseren Karten da und warteten auf den großen Gewinn. Leider blieb unser Bingo-Erfolg eher überschaubar — gewonnen haben wir nicht. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem.

Thomas und Maik machten sich später am Abend dann noch an die schottischen Spezialitäten und probierten gemeinsam Whisky. Dabei lernten wir offenbar auch direkt eine wichtige schottische Eigenheit: In Schottland schreibt man Whisky tatsächlich ohne „e“. Das zusätzliche „e“ gönnen sich eher die Iren beim Whiskey. Wir vermuten inzwischen: Die Schotten sparen sogar bei den Buchstaben.

Jetzt hoffen wir einfach, dass die Nordsee heute Nacht vielleicht ein kleines bisschen ruhiger wird. Morgen wartet schließlich schon der nächste spannende Tag auf uns.
Liebe Grüße
Lisa, Maik, Henry, Thomas und Michi