Die Nordsee zeigte sich an unserem ersten Seetag leider alles andere als freundlich. Schon gestern Abend nach dem Auslaufen aus Hamburg merkte man, dass diese Reise etwas bewegter werden könnte – doch im Laufe des Tages entwickelte sich daraus ein richtiger Sturm.
Die See wurde immer rauer, die Wellen erreichten teilweise fünf bis sechs Meter Höhe und dazwischen kamen immer wieder einzelne besonders heftige Brecher. Man spürte deutlich, wie die Mein Schiff 2 gegen die Wellen arbeitete.
Aus Sicherheitsgründen wurden nach und nach die Außenbereiche gesperrt. Die Pools wurden geschlossen und vorne am Bug durfte sich niemand mehr aufhalten. Viele Gäste beobachteten das Wetter deshalb lieber von innen.
Wir waren währenddessen bei einer Lesung im Theater – und das befindet sich ganz vorne im Bug des Schiffes. Genau dort bekam man die Bewegungen besonders intensiv mit. Immer wieder merkte man, wie das Schiff in die Wellen eintauchte und anschließend hart auf das Wasser aufschlug. Teilweise ging ein richtiges Raunen durchs Publikum, wenn wieder eine besonders starke Welle erwischt wurde.
Für manche Gäste wurde die Überfahrt zu viel. Einige mussten Veranstaltungen verlassen und auf dem ganzen Schiff wurden vorsorglich Spuckbeutel verteilt. Selbst die Abendveranstaltungen im Theater wurden wegen des Wetters verschoben.

Aber immerhin: Wir fünf haben uns tapfer gehalten und waren erstaunlich seefest.
Das Highlight des Tages war trotzdem eindeutig Lisa.
Sie hatte sich nämlich schon von zu Hause aus für einen Spinning-Kurs angemeldet. Trotz Sturm und schwankendem Schiff ging es dann von 16 bis 17 Uhr aufs Fahrrad. Der Kurs wurde tatsächlich nicht abgesagt – obwohl draußen die Nordsee tobte.





Die ersten 15 Minuten waren wohl ziemlich anstrengend, aber dann hatte sie sich eingefahren. Und man glaubt es kaum: Sie zog die komplette Stunde durch.
Auch Henry hatte seinen ganz eigenen Seetag. Nach seinem Mittagsschlaf – und der dauerte stolze zwei Stunden – verbrachte er viel Zeit im „Nestchen“, dem Spielbereich für die kleinen Gäste an Bord. Außerdem besuchte er einen Spieltreff, bei dem die Kleinsten sich kennenlernen konnten.



Und weil der Mittagsschlaf offenbar genau die richtige Entscheidung war, hatte Henry am Abend nochmal richtig Energie.
Also ging es zur Familien-Disco.
Henry entwickelte sich dort endgültig zum kleinen Tanzbären. Sobald irgendwo Musik lief, fing sein ganzer kleiner Körper sofort an zu wippen. Egal ob Beine, Arme oder Windelpo – irgendetwas bewegte sich immer im Takt.
Lisa und Maik beendeten die Kinderdisco dann allerdings schon nach drei Liedern wieder. Nicht weil Henry keinen Spaß hatte – eher im Gegenteil. Der kleine Mann drehte gerade erst richtig auf, und eigentlich war es schon längst Zeit fürs Bett.
Mit einem übermüdeten, tanzenden Einjährigen wollte vermutlich niemand ausprobieren, wie lang so ein Abend auf einer stürmischen Nordsee noch werden kann.
Morgen soll uns Schottland hoffentlich etwas freundlicher empfangen als die stürmische Nordsee heute.
Wir freuen uns auf unser erstes Ziel in den Highlands: Invergordon.
Gute Nacht und liebe Grüße von
Lisa, Maik und dem kleinen Tanzbären Henry
sowie Thomas und Michi