28. September – Tiere und die wilde See

Heute waren wir wieder früh auf den Beinen. Um 6:30 Uhr klingelte der Wecker und um 7:30 Uhr saßen wir schon beim Frühstück. Für 9 Uhr waren wir mit unserem Taxifahrer Vitish verabredet, denn heute wollten wir noch einmal etwas von Mauritius sehen.

Das Wetter war dabei etwas eigenwillig: Es war schön warm und es regnete nicht wie aus Eimern – dafür kam ständig dieser ganz feine Regen herunter. So ein Regen, bei dem man zuerst denkt: „Ach, das geht doch“, und fünf Minuten später merkt, dass man trotzdem nass wird. Zum Glück hatten wir unsere Regensachen dabei.

Unser erstes Ziel war der La Vanille Nature Park im Süden der Insel. Der Park liegt mitten im Grünen und ist besonders für seine riesigen Aldabra-Schildkröten und seine Krokodile bekannt.

Ich glaube, die über 1.000 Riesenschildkröten sind wirklich nicht untertrieben – die waren einfach überall! Man konnte sich Futter holen und die Schildkröten selbst füttern. Vorher bekamen wir allerdings noch den freundlichen Hinweis, dass man ein bisschen auf seine Finger aufpassen sollte, denn die Tiere können durchaus zubeißen.

Damit war meine anfängliche Begeisterung gleich mit einer kleinen Portion Respekt gewürzt. Ich stand also vor einer dieser riesigen Schildkröten und fütterte sie ganz vorsichtig von vorne. Dummerweise hatte ich dabei nicht bedacht, dass Schildkröten zwar gemütlich aussehen, sich aber offenbar hervorragend anschleichen können. Plötzlich kamen von hinten noch drei dieser Riesen auf mich zu. Und wenn man mittendrin steht, wirken die wirklich gewaltig! Irgendwie eine Mischung aus E.T., Dinosaurier und Urzeitmonster auf Zeitlupe.

Wir hatten ja in der ersten Woche schon Riesenschildkröten gesehen und sogar angefasst. Aber hier? Keine Chance! Bei diesen Exemplaren wusste man überhaupt nicht, wo man anfangen und wo man besser aufhören sollte mit dem Streicheln. Also blieb es beim Füttern mit Sicherheitsabstand. Unglaublich, wie viele dieser riesigen Urzeittiere dort ganz gemütlich durch die Gegend spazierten.

Die Krokodile kannten wir inzwischen ja schon – davon hatten wir auf Mauritius bereits einige gesehen. Aber hier gab es um 11:30 Uhr eine Krokodilfütterung, und die war wirklich spannend. Das Futter hing an einem Seil an einem langen Stock und das nackte Hühnchen baumelte direkt über den geöffneten Mäulern der Krokodile. Sobald eines zuschnappte, gab es ein unglaublich lautes Klopfgeräusch. So ein Krokodilmaul hatten wir noch nie aus nächster Nähe zuschnappen hören – da zuckt man automatisch ein bisschen zusammen.

Danach ging es noch ins Insektenhaus. Dort gab es Schmetterlinge, Spinnen, Heuschrecken und was weiß ich noch alles für Krabbeltiere. Auf einem unserer Fotos präsentiert Thomas eine riesige Heuschrecke und hält zum Größenvergleich seine Hand davor. Abartig, wie groß dieses Ding ist!

Und dann begegnete uns noch ein ganz entspannter Java-Hirsch. Der lief dort tatsächlich einfach so herum und ließ sich völlig gelassen von mir streicheln. Während ich bei den Riesenschildkröten lieber etwas Sicherheitsabstand gehalten hatte, war hier sofort Kuschelkurs angesagt. Der Hirsch schien jedenfalls nichts dagegen zu haben und genoss seine Streicheleinheiten ganz offensichtlich.

Unser größtes Interesse galt allerdings den Flughunden. Wir hatten sie auf Mauritius schon mehrmals abends frei herumfliegen sehen, aber ein vernünftiges Foto? Keine Chance! Hier konnten wir sie endlich einmal ganz in Ruhe aus der Nähe anschauen. Und die sind tatsächlich richtig niedlich. Wenn man ihre Gesichter sieht, versteht man sofort, warum sie Flughunde heißen: Sie sehen wirklich ein bisschen aus wie kleine Hunde – nur eben mit Flügeln.

Danach ging es erst einmal zum Mittagessen. Vitish brachte uns in ein Restaurant, in dem auch die Einheimischen essen gehen – genau so etwas mögen wir. Kein schickes Touristenlokal, sondern einfach dort essen, wo die Locals essen. Und es war richtig lecker!

Gut gestärkt ging es anschließend weiter, gefühlt von einem Fotopoint zum nächsten. Dazwischen wurde natürlich auch ein bisschen gewandert. Da es immer noch immer wieder regnete, waren die Wege teilweise ganz schön glatt. Thomas wollte für ein besonders schönes Foto noch auf einen kleinen Berg beziehungsweise Felsen hinauf – und dann passierte es: Er rutschte aus und fiel hin. Ergebnis: ein verletzter Finger und eine ordentlich schmutzige Hose. Zum Glück ist weiter nichts passiert. Und Thomas würde vermutlich sagen: Für das Foto hat es sich gelohnt.

Die Küste zeigte sich heute von einer ganz anderen Seite. Das Meer war richtig stürmisch, die Wellen beeindruckend und zwischendurch schaffte es sogar die Sonne immer wieder durch die Wolken. Dadurch sah die Landschaft jedes Mal ein bisschen anders aus.

Und überhaupt gab es unterwegs ständig etwas Neues zu entdecken: braunen Zucker, Bananen, Pistazien, Kaktusfeigen, die wilde Küste und die stürmische See – heute war irgendwie von allem etwas dabei. Mauritius kann eben nicht nur Postkartenstrand und türkisblaues Wasser. Heute zeigte uns die Insel ihre wilde Seite – und die war mindestens genauso schön.

Gegen 16 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel. Nach diesem erlebnisreichen Tag brauchten wir erst einmal eine kleine Stärkung: Am Strand gab es Eis und Kaffee – genau das Richtige nach so viel Herumfahren, Wandern und Fotografieren.

Und während ich hier gerade unseren Tag aufschreibe, ist Thomas neben mir völlig erschöpft eingeschlafen. Kein Wunder – er hat heute schließlich alles gegeben: geklettert, fotografiert, ist ausgerutscht und hat dabei immerhin nur einen verletzten Finger und eine ordentlich schmutzige Hose davongetragen. Aber Hauptsache, das Foto ist im Kasten!

Jetzt lassen wir den restlichen Nachmittag ganz gemütlich am Strand ausklingen. Nach diesem Tag haben wir uns das verdient.

Liebe Grüße, Michi und Thomas

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